Sportlicher Plombentest

Der Mini Cooper S 5-Türer ist vier Meter Scho­nungs­lo­sig­keit — zumin­dest im Sport­mo­dus.

Es ist ein kurzer Abschnitt der A23, auf der Höhe, wo man in Richtung Altmannsdorfer Ast abbiegt, wo sich die Spreu vom Weizen trennt. Zumindest in Sportwagen mit knochenhartem Fahrwerk. Oder im Mini Cooper S 5-Türer. Denn dort sind ganz kleine Schläge in der Fahrbahn. Wer einen Franzosen fährt, wird jetzt leider nicht wissen, wovon die Rede ist. Egal. Im Mini Cooper S jedenfalls, kann man im Kofferraum vermutlich wirklich die Spreu vom Weizen trennen, in der ersten Reihe den sicheren Sitz der eigenen Plomben überprüfen und im Fond die Bruchsicherheit unterschiedlicher Materialien überprüfen.

Klar kann man in der zwei­ten Rei­he des Mini 5-Türer sit­zen, nur will man das nicht wirk­lich, wenn man älter als 14 und halb­wegs nor­mal gewach­sen ist. Im höhe­ren Alter eig­nen sich die hin­te­ren Türen her­vor­ra­gend zum ein­fa­chen Be- und Ent­la­den mit Sport­ta­schen, Klei­dungs­stü­cken oder dem Wochen­ein­kauf.

Vier Meter Mini

Kei­ne Fra­ge, mit der Idee, einen Fünf­tü­rer zu bau­en, tritt BMW das rei­che bri­ti­sche Erbe von Mini mit Füßen. Als Cooper S sprengt der 5-Türer sogar die Vier-Meter-Gren­ze. Auf der ande­ren Sei­te hat BMW gera­de dem Cooper S noch mehr von dem gege­ben, was den Urmi­ni aus­ge­macht hat: jede Men­ge Fahr­spaß. Das kno­chen­tro­cke­ne Fahr­werk und die super­ex­ak­te Len­kung sind eine Klas­se für sich. Da kön­nen sich ande­re Kom­pak­te, die sich mit einem blu­mi­gen Spor­tem­blem, einem prot­zi­gen R oder gar einem RS zie­ren, eine ordent­li­che Schei­be abschnei­den.

Beim Run­ter­schal­ten hebt der Mini von allein die Dreh­zahl an, sodass man den nächst­nied­ri­ge­ren Gang ein­fach bru­tal rein­schal­ten kann. Vor allem im Sport­mo­dus, den man über einen Dreh­schal­ter am Gang­he­bel akti­viert, passt das wirk­lich gut zum Auto. Dann klingt der Mini auch gleich noch ras­si­ger, röhrt dezent, aber doch hör­bar, und böl­lert beim Run­ter­schal­ten läs­sig aus dem Aus­puff. Am Bei­fah­rer­sitz nervt das angeb­lich manch­mal.

Des Fahrens nie müde

In der hin­te­ren Rei­he sicher auch. Denn dort hört man das Böl­lern noch lau­ter. Schal­tet man aber in den Eco-Modus, ist das prol­li­ge Prot­zen weg — und gleich­zei­tig sinkt der Ver­brauch. Macht halt weni­ger Spaß. Schon allein des­halb sind wir wäh­rend des Tests fast per­ma­nent im Sport­mo­dus unter­wegs. Bei­fah­rer­pech.

Wer ver­mu­tet, dass der kna­cki­ge Antritt, der erdi­ge Klang und das har­te Fahr­werk auf Lang­stre­cken ner­ven, der irrt. Ganz im Gegen­teil. Im Cooper S wird man des Fah­rens nie müde, weil der Wagen eben so viel Feed­back gibt. Es ist wie ein Gespräch mit einem guten Freund. Ehr­lich, lus­tig und scho­nungs­los. Nur auf dem einem Stück der A23, da kommt man sich ein wenig gepflanzt vor.


Die­ser Arti­kel erschien am 31. Jän­ner 2015 in der Tages­zei­tung der Stan­dard und am 30. Jän­ner 2015 auf derStandard.at/Automobil.


Fotos: Gui­do Glu­schitsch