Fire & Ice: Feuer und Eisen

Falls Sie mich in letz­ter Zeit zufäl­lig ein­mal gese­hen haben, ist es eh kein Geheim­nis mehr. Es geht mir nicht so gut. Erst hab ich gedacht, es sei eine klei­ne Win­ter­de­pres­si­on, die sich schon wie­der schlei­chen wer­de. Sie wis­sen schon. Immer müde, a bissl blass, Haar­aus­fall…

Schwindelgefühl

Mei­ne Frau sieht ja nicht nur außer­or­dent­lich gut aus – weiß der Teu­fel, gegen wen sie eine Wet­te ver­lo­ren hat, dass sie mich hei­ra­ten muss­te – sie ist auch außer­or­dent­lich für­sorg­lich und schick­te mich ob der Sym­pto­me sofort zum Arzt. Dem muss­te ich nicht viel sagen. Der hat mich ein­mal von oben nach unten gemus­tert, wäh­rend ich, an sei­nen Schreib­tisch gelehnt, vor mich hin­gähn­te und frag­te nur, ob ich Schwin­del­ge­füh­le hät­te. Ich wuss­te nicht gleich, wie er es mein­te. Ob ich gleich der­check, wenn mich wer anschwin­delt, oder ob ich oft das Gefühl habe, schwin­deln zu müs­sen – weil aber bei­des zutraf, konn­te ich sound­so beja­hen. Und da war die Dia­gno­se schon klar: „Eisen­man­gel“ Er wollt mir noch was auf­schrei­ben, was ich freund­lich dan­kend ablehn­te, und mich sofort in The­ra­pie begab.

Im 22., in der Haber­landt­gas­se, da ist mein The­ra­pie­zen­trum: Mon­key King. Dort ordi­niert der Dok­tor Phil­ipp Weihs. Ein Kapa­zun­der auf sei­nem Gebiet. Wir sind inzwi­schen gute Freun­de, und er freut sich immer sehr, mich zu sehen. Er kann es nur nicht immer gleich so zei­gen. Was dann dazu führt, dass er durchs gan­ze Geschäft schreit: „Wer hat­tn den Deppn schon wie­der rein gelas­sen?“

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Aber kei­ne Ant­wort. Wie wenn alle vom Erd­bo­den ver­schluckt wären. Nur ein jun­ger schwar­zer Kater kommt auf mich zu, schmiert mir um die Bei­ne, springt auf das Sitz­bankl eines der Motor­rä­der im Schau­raum, und schnurrt. Fast hät­te ich über­se­hen, dass ich das Motor­rad, auf das er gehüpft ist, gar nicht ken­ne. Hat der Phil­ipp schon wie­der was Neu­es im Hof, und mir nix gesagt? Dabei könn­te das die Hei­lung bei mei­nem Eisen­man­gel sein. Ich sag ja, der Phil­ipp ist eine Kory­phäe, was Eisen angeht. Ein Spit­zen­chir­urg.

Vor allem was luft­ge­kühl­te Ein­zy­lin­der angeht, macht ihm kei­ner was vor. Er hat schon Bier­kis­ten moto­ri­siert. An der Wand hängt eine Maschi­ne, die er sich ein­fach so zum Spaß gebaut hat. Hin­ter der neu­en Maschin, auf wel­cher der Kater um Auf­merk­sam­keit heischt, steht das Ärgs­te über­haupt. Ver­mut­lich eine Sky­team, also eines der extrem klei­nen Motor­rä­der, die wir hier eh schon vor­ge­stellt haben, aber mit einer arg lan­gen Schwin­ge, wie man sie bei unend­lich star­ken Renn­mo­tor­rä­dern ein­setzt, damit sie sich nicht beim ers­ten Dreh am Gas sofort nach hin­ten über­schla­gen. Ich schieb den Kater ein Stück auf die Sei­te, um den Motor zu sehen – Sie wer­den es nicht glau­ben. Er ist unsicht­bar. Der Phil­ipp besteht dar­auf, dass kei­ner ein­ge­baut ist – aber ich trau ihm nicht. Ver­mut­lich ist er wie­der etwas Neu­em auf der Spur und will es mir nur noch nicht ver­ra­ten. Von dem herr­li­chen schwar­zen Bock, auf dem der schwar­ze Kater immer noch schnurrt, hat er mir ja auch nichts erzählt.

Schwarzes Feuer

Es ist eine Fue­go. Und sie sieht mör­de­risch gut aus. Der Rah­men ist schwarz, matt und rau genug, um sich in Fahr­pau­sen ein bis­serl die Horn­haut von den Hän­den zu krat­zen. Er steht im schö­nen Kon­trast zu dem glän­zen­den Metall­tei­len und dem mar­tia­li­schen Aus­puff­rohr. Der Len­ker ist so breit wie ich zuletzt am Matu­ra­ball. An den Enden sit­zen statt den Stop­fen die Spie­gel. Die Ras­ten sind feins­te Off­road-Ware, die Schein­wer­fer LEDs, die Blin­ker so klein, dass man sie in mei­nem Alter kaum noch sieht. Aber das ist noch nicht alles. Ganz das Gegen­teil der Sky­team-Maschi­nen, die ja unglaub­lich klein sind, ist die Fue­go groß. Ide­al für Kör­per­grö­ßen ab 170 Zen­ti­me­ter. Sonst sind die 125er ja meist ein bis­serl nied­ri­ger gebaut. Aber die passt mir wie ange­gos­sen.

Der Phil­ipp ist ja nicht nur ein begna­de­ter Schrau­ber, er hat auch ein Ver­trau­en in die Mensch­heit, dass die Hälf­te reicht. Drum steckt in der Fue­go auch der Schlüs­sel, und ich, der ja was gegen sei­nen Eisen­man­gel tun muss, reiß das schwar­ze Feu­er sofort an. Das Fahr­werk ist eine ange­neh­me Über­ra­schung, so was fin­dest du auf kei­ner ande­ren 125er. Die 8 PS rei­chen locker für die Wege in der Umge­bung – nach Grie­chen­land willst mit einer Vier­tel­li­ter eh nicht fah­ren. Und die fet­ten Rei­fen mit ihren Stol­len sind im Win­ter eben­so gescheit, wie im Som­mer, wenn man direkt durch die Gstet­ten bis an den See fah­ren will. „Wird a Lawi­ne kostn“, sag ich, was eigent­lich eine Fra­ge ist. Aber der Phil­ipp ver­steht mich sofort, und sagt „2590“. Oida!

Soforthilfe

Ich hab mich dann gar nicht ver­ab­schie­det, weil ich gewusst hab, dass ich eh gleich wie­der zurück sein wer­de. Daheim, in der Kuchl, haben wir ein Ladl mit dem Haus­halts­geld. Und nach­dem mei­ne Frau schon eine gan­ze Woche mit der glei­chen Hand­ta­sche unter­wegs ist, müss­te dort eigent­lich genug Geld für mei­ne Hei­lung drin­nen sein. Blö­der­weis war mei­ne Frau grad in der Küche und schnitt ihre Trüf­fel – sie ist so für­sorg­lich und kocht für sich extra, damit mir mehr vom Boh­nen­ein­topf bleibt. Jetzt, wie ich das Ladl auf­ma­chen will, um das The­ra­pie­geld zu holen, schiebt sie das Brettl auf die Sei­te und steht auf ein­mal mit dem Mes­ser vor mir: „Eisen­man­gel? Da kann ich dir sofort hel­fen …“

MotorradMagazin – 02/2020
Fotos: Wolf-Dieter Grabner

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