Brachial im Burgenland

Der N430 ist der sportlichste Vantage und die Antwort auf erstarkte 911er. Mit seiner Transaxle-Bauweise fährt er sich, wie es sich für einen echten Sportwagen gehört.

Hornstein ist eine kleine Gemeinde im Burgenland. Sie hat einen Supermarkt, ein Rathaus, einen Kindergarten und das Café Elfie. Letzteres ist nicht gerade das Schmuckstück der Gemeinde, aber hat einen Parkplatz vor der Tür. Und kühle Getränke. Und wenn der AstonMartin viel kann, den Durst stillen kann er nicht.

Über die Landstraßen des Burgenlands führte uns der Weg hierher. Gut, es wäre auch direkt über die Autobahn gegangen, aber auch wenn dieser Wagen richtig schnell geht, ist er nicht dazu da, den Weg zwischen zwei Punkten in der kürzesten Zeit zu überbrücken. Das können Hochgeschwindigkeitszüge besser.

Dieser Wagen ist dazu da, Kurven auszukosten, aus dem Weg das Ziel zu machen und die Chiropraktiker mit Arbeit zu versorgen.

Denn wo immer dieses Auto vorbeifährt, verrenkt sich jemand den Hals. Die dicke Lippe, die er in Gelb riskiert, lässt auch den Unbedarftesten sofort erkennen: ein Aston Martin. Dabei ist das gar nicht nur ein Aston Martin, sonder der N430. Die Clubsport-Ausgabe des Vantage, wenn man Aston Martin beim Wort nimmt.

Angetrieben wird er vom stärksten V8-Motor des Hauses, der aus über 4,7 Liter Hubraum 436 PS saugt. Das sind umgerechnet 430 British Horsepower – daher auch sein Name. Sie haben schon richtig verstanden. Saugmotor.

Die Idee, den Vantage in dieser Version so pur wie möglich zu halten, zieht sich durch das ganze Auto und hört nicht etwa beim Motor auf. Ja, es gibt ein Display mit Navi, aber das schaut geschlossen am besten aus. Und Aston Martin bietet dieses Fahrzeug auch noch mit Handschaltung an.

Das Radio dreht man lieber ab und öffnet stattdessen die Auspuffklappen. Der satte V8-Klang ist besser als Ö3, Superfly und Jodlerei zusammen. Eine Breite, die jetzt vielleicht weit hergeholt erscheint, aber sie entspricht jener, die Aston Martin mit dem N430 schafft. Auf der einen Seite ein Sportler, der in unter fünf Sekunden mit einem ordentlichen Wirbel die 100er-Marke durchbricht.

Auf der anderen Seite ein Gentleman, der gediegen und stilvoll wirkt, der mit Alcantara schmeichelt und den Luxus vor die Hektik stellt. Dazu passt auch das satte Grün des Wagens – die gelben Highlights sind dann wieder ein rein sportliches Zitat. Sie stammen von den Le-Mans-Rennwagen, die diesen Akzent tragen, um die Erkennbarkeit im 24-Stunden-Rennen zu erhöhen.

Diese Details interessieren die Leute, die wegen des Wirbels vom Hauptplatz zum Café Elfie pilgern, nicht.

Einer von ihnen steht in der Tür und erkennt sofort die zwei Personen, die hier nicht hergehören.“Is you the car“, stammelt er extrem liebenswürdig und bemüht. Die britischen Kennzeichen am Testwagen und die wienerische Antwort sorgen nur kurz für Verwirrung.


Dieser Artikel erschien am 22. August 2014 in der Tageszeitung der Standard und am 21. August 2014 auf derStandard.at/Automobil.


Fotos: Guido Gluschitsch; Link: Aston Martin