Im Roller-Dilemma

Wenn das tech­ni­sche Daten­blatt das eige­ne Gefühl
nicht wie­der­gibt, gibt es nur eine Mög­lich­keit.

Normalerweise freut sich jeder halbwegs Benzin-Depperte wie Zwillinge zu Weihnachten, wenn er auf einem Bock sitzt, der was z‘gleich schaut und auch noch gut geht. Der Yamaha Black X-Max ist fesch und geht super. Nur, meine Vorliebe für 125er-Roller ist endenwollend — heuer bin ich wirklich schon mehr Scooter gefahren als in den letzten drei Jahren zusammengezählt.

Und dass ich gera­de vor weni­gen Minu­ten von Hon­da einen Anruf bekam, in dem man mich dar­über in Kennt­nis setz­te, dass die Wie­ner Exe­ku­ti­ve mei­nen Test­fahr­ten aus­führ­lich folg­te und die gesam­mel­ten Pro­to­kol­le mei­ner Übun­gen an Hon­da über­stellt habe und es nun, zur Abrun­dung der gan­zen Sache, an mir wäre, einen wohl­fei­len Betrag an die Staats­kas­se zu über­wei­sen, das macht eine Lau­ne wie Zahn­arzt­ter­min und Steu­er­prü­fung an einem Tag.

Drau­ßen tröp­felt es schon wie­der — hat es nicht gereicht, dass ich ges­tern im strö­men­den Regen heim­fah­ren muss­te? Wenn es reg­net, bist eh froh, wenn du einen Rol­ler hast, weil du dann halb­wegs tro­cken unter­wegs bist — wenn nur das Blit­zen ges­tern ein atmo­sphä­ri­sches war und kein exe­ku­ti­ves, dann passt eh alles. Aber jetzt grad hab ich halt so eine Befürch­tung, weil rein sub­jek­tiv, ist der Black X-Max der 125er-Rol­ler, der von allen, die ich heu­er gefah­ren bin, am bes­ten geht. Und wer ist nicht schon ein­mal mit etwas Unwür­di­gem zu schnell gefah­ren —  Sie ver­ste­hen mein Dilem­ma.

166 Kilogramm

Dabei, am Papier hat alles noch harm­los aus­ge­se­hen. Mit sei­ner Leis­tung von etwas mehr als 10 kW bei 8750 Umdre­hun­gen und einem Dreh­mo­ment von über 11 Nm ist die­ser Yama­ha-Rol­ler zwar mit den Leis­tungs­da­ten dort, wo in etwa auch die kräf­ti­ge Kon­kur­renz steht, nur der Black X-Max ist schwe­rer als sei­ne Geg­ner. Gan­ze 166 Kilo­gramm bringt er auf die Waa­ge — das ist wohl der Preis, den er dafür zah­len muss, dass er so fesch ist und groß aus­schaut. 125er-Fah­rer schät­zen es angeb­lich, wenn der Rol­ler was her­macht. Ich bin ja eher ein Ver­fech­ter der schlan­ken For­men, weil man damit bes­ser durch die Blech­ko­lon­nen kommt — aber auch da zeigt der Black X-Max kei­ne Schwä­chen. Nicht ein ein­zi­ges Mal wäre ich ste­cken geblie­ben.

Ste­hen geblie­ben hin­ge­gen bin ich stets schnell. Die Brem­se­rei auf dem Scoo­ter ist echt eine Freu­de. Das hat schon was von einem viel grö­ße­ren Motor­rad, wenn man da in die Eisen greift: Schei­ben­brem­sen vor­ne und hin­ten. Vor­ne mit einem Durch­mes­ser von 267 und hin­ten von 240 Mil­li­me­tern. Ein Glück, dass der X-Max kein ABS hat — so kann man wirk­lich kna­ckig an den Hebeln arbei­ten, ohne dass es gleich bei den Heberln pul­sie­ren anfängt.

Mixermotor

Ganz weit weg vom Pro­spekt ist auch das Fahr­werk: Yama­ha meint näm­lich, dass es kom­for­ta­bel sei. Da hab ich mich gleich gefürch­tet, auf einer wat­tier­ten Sänf­te mit einem Mixer­mo­tor durch die Stadt zu glei­ten. Dabei ist in Wirk­lich­keit das Fahr­werk viel sport­li­cher als das ande­rer Rol­ler – egal ob aus Japan oder Ita­li­en. Erst wenn man sehr flott über sehr schlech­tes Kopf­stein­pflas­ter rat­tert, schlägt es manch­mal durch — viel spä­ter als ande­re. Einen eige­nen Weg geht Yama­ha auch bei der Rad­di­men­si­on: Vor­ne kommt ein 120er-15-Zöl­ler zum Ein­satz, hin­ten ein 140er-Rei­fen, aber mit 14 Zoll.

Im Grun­de ist der Black X-Max 125 eine Son­der­edi­ti­on des X-Max. Das heißt, der gleich gute Wind­schutz durch die Schei­be und die Hand­guards, den gleich gro­ßen Stau­raum unter der sehr kom­mo­den Sitz­bank — da las­sen sich sogar Hel­me ver­stau­en – und eben­falls das ver­schließ­ba­re Hand­schuh­fach. Der Black ist halt schwarz mit roten Akzen­ten und hat ein paar fesche opti­sche Auf­put­zer wie Car­bon-Look dort und da und die fesche Sti­cke­rei am Sitz­erl. Das Ein­zi­ge, was auf­fällt: Der Black X-Max geht nicht nur sub­jek­tiv bes­ser als ande­re — und nichts ande­res zählt, so lan­ge einem nicht im direk­ten Ver­gleich das Gegen­teil bewie­sen wird — er kos­tet auch mehr. Mit 4.599 Euro hat er schon einen stol­zen Preis. Und wenn man statt Brief­mar­ken eh schon Straf­zet­tel sam­melt, dann zählt jeder Euro.

Foto: Wolf-Dieter Grabner


Der Arti­kel erschien auf derStandard.at.