Der heckschleudernde Hundeknochen

Zur Prä­sen­ta­ti­on des Ford Focus RS reist Max Lam­pel­mai­er
mit sei­nem alten gel­ben Escort an. Wenn wir genau sind, ist
es ein 1976er Escort RS 2000. Ganz schön quer.

Max Lampelmaier ist ein wilder Hund. Er ist Ford-Händler in Mattsee und seit 35 Jahren Rallye-Fahrer. Mit 18 Jahren begann er mit Histo-Racing, also dem Rennfahren mit historischen Rallyeautos. 2001 und 2002 holt er sich den Staatsmeistertitel. Zur Ford Focus RS Präsentation in Saalfelden kommt er mit seinem 1976er Ford Escort RS 2000. Ob er mich wohl fahren lässt?

Das ers­te Auto mei­nes Vaters war ein Escort. Eine Heck­schleu­der son­der­glei­chen: ein roter “Hundeknochen”-Escort. Der heißt so, weil der Grill mit den Schein­wer­fern aus­sieht wie ein Hun­de­kno­chen. Nicht so der Escort RS 2000 vom Lam­pel­mai­er: Der war das Nach­fol­ge­mo­dell des “Hun­de­kno­chen”, hat­te Dop­pel­schein­wer­fer und statt der übli­chen 130 RS-PS über 160 Pfer­de unter der Hau­be. Was für ein Auto. Der RS wur­de ursprüng­lich gebaut, weil die Hans Heyer Fans sei­nen Grup­pe 5 Ford Escort mit 275 PS auch ger­ne fah­ren woll­ten. Und so ähn­lich geht es mir jetzt auch: Ich will den getun­ten Lam­pel­mai­er-Escort fah­ren.

Dem Max kann ich das aber jetzt nicht sagen. Der drif­tet gera­de sei­nen RS 2000. Run­de um Run­de. Auf einer Kreis­bahn des ÖAMTC. Als wäre es das Leich­tes­te auf der Welt. Dann auf ein­mal: Max bricht den Drift ab, das Heck des Escort schleu­dert auf die ande­re Sei­te. Der Wagen kommt vom Rutsch­be­lag ab, der Motor heult auf, die Rei­fen quiet­schen und das Fahr­zeug dreht sich vor mei­nen Füßen ein. Max macht die Tür auf, steigt aus dem Escort aus und sagt: “Jetzt du!”

Weih­nach­ten und Ostern zusam­men: Ich darf einen Escort RS 2000, der fast so alt wie ich und kom­plett für Ren­nen umge­baut ist, unter Anlei­tung eines mehr­fa­chen Staats­meis­ters drif­ten. In den zwei Minu­ten, die ich den Escort quiet­schen las­sen darf, gelingt mir kein durch­gän­gi­ger schö­ner Drift, Lob von Max Lam­pel­mai­er bekom­me ich trotz­dem. Und dass ich jetzt ein paar Tage nicht schla­fen kann und mich mit Hun­den um ihre Kno­chen strei­te, stört mich gar nicht. Am liebs­ten wür­de ich aber mit dem Max, dem wil­den Hund, um sei­nen “Hundeknochen”-Nachfolger strei­ten…

Foto: Ford