Von Enfield bis Cobra

Mit dem Ende der Moped-Ära geht auch die gro­ße Zeit der Ein­zy­lin­der-Zwei­rä­der vor­über. Wir schau­en uns an, wer heu­te noch Ein­topf kocht.

Einzylinder-Motoren sind günstiger herzustellen, einfacher im Aufbau, kompakter und im Grunde leichter als Mehrzylinder-Motoren. Damit hat man auch die meisten Gründe beinander, warum früher mehr Einzylinder-Motoren in Motorräder gebaut wurden, als das heute der Fall ist. Ducati, die heute für ihre Zweizylinder-Motoren in L-Form bekannt sind, bauten früher Einzylinder.

Horex, die Mar­ke, die heu­te mit fet­ten Sechs­zy­lin­der-Motor­rä­dern wie­der­be­lebt wer­den soll, baut ihren Ruhm auf der Regi­na auf. Die legen­dä­re Ein­zy­lin­der-Maschi­ne mit 250 bis 400 Kubik­zen­ti­me­ter schrieb zwi­schen 1950 und 1958 Motor­rad­ge­schich­te. Sport­ge­schich­te schrieb die Cagi­va Mito 125 mit ihrem bis zu 30 PS star­ken Zwei­takt-Ein­zy­lin­der. 1989 kam die­se Maschi­ne auf den Markt, die Mas­si­mo Tam­bu­ri­ni zeich­ne­te.

Der Rest bleibt Roller

Klei­ne Kuba­tu­ren wie 50er- und 125er-Moto­ren wer­den bis heu­te als Ein­zy­lin­der gebaut. Aber mit dem Aus­ster­ben der Mopeds und damit der 50-Kubik-Zwei­tak­ter, regel­rech­te Dreck­schleu­dern, geht auch die gro­ße Zeit der Ein­zy­lin­der ihrem Ende zu. Allein als 125er-Vier­takt­mo­to­ren fin­det man Ein­zy­lin­der-Moto­ren heu­te noch bei fast jedem Motor­rad-Her­stel­ler – und natür­lich, ja, im Rol­ler­be­reich kom­men vor­wie­gend Ein­zy­lin­der zum Ein­satz.

Der größ­te in Serie gebau­te Ein­zy­lin­der-Motor­rad-Motor war der 779 Kubik­zen­ti­me­ter gro­ße Motor der Suzu­ki DR 800 SR. Mit der Dop­pel­zün­dung hol­te Suzu­ki 50 PS aus dem Ein­topf, der als beson­ders robust galt. Suzu­ki hat­te auch einen 650er-Ein­zy­lin­der im Ein­satz, der etwa in der LS 650 Sava­ge ver­baut wur­de, falls jemand eine Ein­zy­lin­der-Crui­ser sucht und nicht so auf Mar­au­der steht. Aber die DR 800 SR steht bei­spiel­ge­bend für ein gan­zes Markt­seg­ment an Ein­zy­lin­der-Moto­ren: Endu­ros. Neben den DR-Model­len von Suzu­ki war das etwa die Hon­da Domi­na­tor, die KLR von Kawa­sa­ki oder die Yama­ha XT.

Konzeptuelle Nachteile

Yama­ha hat mit der XT 660 Z Téné­ré noch immer einen gro­ßen Ein­zy­lin­der auf Stopp­lern im Sor­ti­ment – und damit auch gleich eines der am meis­ten unter­schätz­ten Motor­rä­der die­ser Zeit. Klar, sie lei­det unter den Nach­tei­len des Kon­zepts des Ein­zy­lin­ders. Wie etwa einem hohen Gewicht des Motors. Gro­ße Aus­gleichs­mas­sen, die den unrun­den Lauf des Motors glät­ten sol­len, drü­cken auf die Waa­ge. Gleich­zei­tig hat der Motor der Téné­ré einen schö­nen Schub von unter her­aus, fühlt sich ker­nig an und macht mit sei­nen nicht ein­mal 50 PS rich­tig Spaß. Abste­cher ins Gelän­de: mit der XT 660 Z jeder­zeit ger­ne.

Das ist auch die Stär­ke der BMW G 650 GS Ser­tão. Bei Top­speed auf der Auto­bahn beginnt man die­ses Motor­rad zu ver­flu­chen, aber auf den aus­ge­setz­ten Schot­ter­we­gen, irgend­wo in Kroa­ti­en zwi­schen Meer und Schaf­her­de, mit dem hal­ben Haus­rat am Packlträ­ger, muss man sich zsamm­rei­ßen, den Bock nicht zwi­schen­durch abzu­bus­seln.

Sea-Doo und Ski-Doo

Rotax griff BMW bei der Kon­struk­ti­on des 650er-Motors unter die Arme und bau­te ihn zu Beginn auch im Werk in Öster­reich. Heu­te baut Rotax als BRP-Toch­ter Moto­ren für die Mut­ter-Kon­zern-Pro­duk­te Sea-Doo und Ski-Doo, Can-Am, aber auch für Go-Karts. Und wir reden da von Renn­karts und nicht von Rasen­mä­hern. Obwohl, wenn wir gera­de beim The­ma sind: Rasen­mä­her wer­den eben­falls vor­wie­gend von Ein­zy­lin­der-Moto­ren ange­trie­ben. Aber das nur so neben­bei.

Kom­men wir zurück zu den gei­len Sin­gles, keh­ren wir wei­ter mit stolz­ge­schwell­ter Brust vor der eige­nen Tür und wer­fen wir einen Blick auf die KTM 690 SMC R. Ein rich­ti­ges Spaß­ge­rät mit einem 67 PS star­ken Vier­takt-Ein­zy­lin­der. Und damit setzt KTM auch die Bench­mark, was den Bau von Ein­zy­lin­der-Moto­ren betrifft. Dafür knöp­fen uns die Mat­tig­ho­fe­ner auch gleich ein­mal rund 10.000 Euro ab.

Royales zum Promenieren

Deut­lich güns­ti­ger und sogar noch exo­ti­scher ist da die Roy­al Enfield Con­ti­nen­tal GT 535. Ab 7.350 Euro darf man den feschen Sin­gle mit­neh­men. Dafür bekommt man dann aber halt auch nur 30 PS. Aber egal, die­se Maschi­ne ist eh mehr zum Pro­me­nie­ren als zum Het­zen gedacht.

Der schärfs­te Ein­zy­lin­der-Bock der­zeit ist aber wohl die Cobra von Sky­Team. 1999 star­tet das Unter­neh­men als Toch­ter des Chi­ne­si­schen Motor­rad-Her­stel­lers Jiangsu Sacin Motor­cy­cle mit dem Bau von – nona – Repli­kas wie der Hon­da Mon­key. Bis heu­te haben die Chi­ne­sen eine recht anspre­chen­de Palet­te von knie­ho­hen 125ern im Port­fo­lio, eine skur­ri­ler als die ande­re. Beson­de­rer Augen­schmaus ist die Cobra. Sie teilt aber wohl die Schwä­chen mit ihren Geschwis­tern, und ihre Fer­ti­gung ent­spricht nicht ganz dem, was man sich hier­zu­lan­de vor­stellt.

In aller Affenliebe

Mon­key­king-Chef Phil­ipp Weihs, Gene­ral­im­por­teur der Mar­ke in Öster­reich, hat also eini­ges zu tun, um die Motor­rä­der von der Kis­te bis zum Kun­den noch ein­mal zu über­ar­bei­ten. Dann machen die klei­nen Ein­zy­lin­der aber eine Hetz, dass die Hälf­te reicht. Bis zu 80 km/h schnell ist die Cobra mit dem rund 10 PS star­ken 125er-Motor. Sie hat fünf Gän­ge, ist 89 Kilo­gramm schwer und hat eine Sitz­hö­he von 700 Mil­li­me­ter.

Bei einem Ver­brauch von unter drei Liter kommt man mit dem 8,5 Liter fas­sen­den Tank mehr als weit genug. Gro­ße Tou­ren macht man mit der Cobra eh nicht. Das brei­te Grin­sen gibt es übri­gens schon ab 1600 Euro.


Die­ser Arti­kel erschien am 09. Febru­ar 2015 auf derStandard.at/Motorrad.


Fotos: Werk