Motorradl 2014: Hochs und Tiefs auf zwei Rädern

Zum Jah­res­en­de machen auch wir einen Strich unter den Test­ka­len­der und schau­en zurück, wel­che Motor­rä­der uns 2014 am meis­ten beein­druckt haben.

So schnell stand noch nie ein Sieger fest: BMW nineT. Sie war die herausragende Überraschung, ein Retrobike mit hervorragenden Fahreigenschaften und einem tollen Motor. Auf den ersten Metern drückt es dir die Gänsehaut durchs Leder. Unglaublicher Wurf von BMW. Die Maschine ist aber auch die Niederlage des Jahres. Bereits im Februar hat mich der Bock abgeworfen. Und damit war sie auch gleich die beeindruckendste Maschine des Jahres. Leder und Zylinderkopf bestätigen das. Eine großartige Siegerin also.

Schwer beein­dru­ckend, wenn auch nicht im stür­zen­den Sin­ne, war eine aus­führ­li­che Run­de auf einer Poli­zei-Har­ley-David­son. Der Ori­gi­nal-Exe­ku­tiv­bock aus den Staa­ten hat sich auch ver­schlun­ge­nen Wegen nach Öster­reich ver­irrt, mit Fol­ge­ton­horn und Fun­kel­licht. Das Lalü­la­la darf man zwar nicht ein­schal­ten, aber man darf ja auch nicht in der Nase boh­ren und kaum jeman­den küm­mert das. Das Arge an die­ser Har­ley ist aber: Die Maschine ist so extrem fahrbar, dass man meint, man fah­re gera­de auf einem Fremd­pro­dukt. Man sitzt höher und wei­ter vor­ne, das Fahr­werk ist erbar­mungs­los und gibt sogar ech­tes Feed­back. Scha­de eigent­lich, dass es die­ses Bike in Echt bei uns gar nicht gibt.

Die E-Mobi­li­tät erobert zuneh­mend auch den rea­len Zwei­rad-Bereich. Und wir mei­nen damit abseits von Rol­lern die einen mit 25 km/h im Rund­kurs von Arzt, Wirts­haus, Super­markt und Woh­nung her­um­füh­ren. Mit der BMW C evo­lu­ti­on kam der ers­te ernst­zu­neh­men­de Groß­rol­ler auf den Markt und beein­druckt mit unbän­di­ger Kraft. Die E-Mobility-Wertung gewinnt aber der Johammer. Das arge Design, die fre­chen Lösun­gen wie die Anzei­gen in den Spie­geln und die eigen­wil­li­ge Len­kung, an die man sich erst ein­mal gewöh­nen muss, machen den skur­ri­len E-Crui­ser zum Gewin­ner der Kate­go­rie.

Der Loser des Jah­res kommt eben­falls aus der E-Mobi­li­täts-Wel­le. Herr Loh­ner ver­sprach uns den Markt­start sei­nes Rol­lers und damit den neu­en Auf­stieg der Mar­ke Loh­ner. Gefah­ren ist den E-Rol­ler aber anschei­nend noch nie­mand. Im Moment kur­sie­ren Bil­der eines Fahr­ra­des mit Tret-Unter­stüt­zung aus Akkus durch die Sozia­len Medi­en. Scha­de eigent­lich. Ein paar ech­te Loh­ner-Fans gibt es näm­lich schon, die sich bestimmt so einen Rol­ler vor die Steck­do­se gestellt hät­ten. Der Sehn­suchts­preis 2014 – also Platz 1 für das Gefährt, das wir auch mit viel Win­seln nicht bekom­men haben – der geht an Ves­pa. Denn so ger­ne hät­ten wir die Ape an ihre Gren­zen gebracht – aber lei­der. Kei­ne Ape, kein Über­schlag, kein Stau im Berufs­ver­kehr den wir aus­lö­sen durf­ten. Aber wir geben nicht auf. Viel­leicht schaf­fen wir es nächs­tes Jahr, wo wir auch auf die ers­te Tour mit der CCM GP 450 hof­fen, auf die uns Leser Chris­toph nach­drück­lich hin­ge­wie­sen hat.

Die Vor­schuss­lor­bee­ren für hat sich Kawasaki mit der Ninja H2R gesi­chert. Die Stu­die zeigt ein mar­tia­lisch-schö­nes Design und mit dem dem 300 PS star­ken Kom­pres­sor-Motor sprengt sie scham­los Gren­zen. Wir freu­en uns schon auf die zivi­le Ver­si­on, die Kawa­sa­ki als H2 nach­schie­ben wird. 300 PS wird die dann aber nicht haben, aber mit mehr als 200 PS aus einem Liter Hub­raum dür­fen wir schon rech­nen, denn 200 PS sind ja inzwischen auch in der Supersportklasse Standard gewor­den.


Die­ser Arti­kel erschien am 22. Dezem­ber 2014 auf derStandard.at/Motorrad.


Fotos: BMW, Kawa­sa­ki, Har­ley David­son, Gabrie­le Glu­schitsch