Jetzt habt aber Acht, ihr Bayern

Die Mer­ce­des-Benz-Mus­kel­schmie­de AMG bringt gleich drei Sport­ler der C-Klas­se. Den Ein­stieg macht der C 450 AMG mit V6-Bitur­bo. Den Angriff auf den BMW M3 star­tet AMG mit dem V8-Bitur­bo. Gna­den­los.

Es ist ein diabolisches Lächeln, das man hier im Autódromo Internacional do Algarve auf den Gesichtern sieht. Jene Gesichter, die über einem Namensschild und der Aufschrift AMG grinsen, die machen das, weil sie so stolz sind: auf den doppelt aufgeladenen V8 im Mercedes-AMG C63 S, der draußen in der Boxengasse schon auf Standgas vernehmen lässt, dass mit dem ESP-Knopf nicht zu spaßen ist. Ja, und weil BMW beim M3 und M4 gekniffen und einen Sechszylinder verbaut hat. Das geht gar nicht, sagt man bei AMG. Die Kunden wollen V8.

Das sagt auch Lexus beim RC F. Wirk­lich feist wird das Lächeln, wenn das Gespräch auf den Ver­brauch kommt. 8,2 Liter. Trom­meln auf der Affal­ter­ba­cher Brust. BMW braucht mehr. Ätsch, bätsch. Wirk­lich beein­druckt schau­en die ange­reis­ten Jour­na­lis­ten des­we­gen nicht. Sie lächeln böse. Füh­len sich wie DTM-Renn­fah­rer. Hin­ter einem sol­chen, Bernd Schnei­der näm­lich, haben sie den C 63 S gera­de über die Pis­te gejagt. Am Limit. Die Fah­rer zumin­dest.

Der AMG nicht. Der steckt Run­de um Run­de locker weg. Nur Sprit braucht er. Auf der Renn­stre­cke rückt der Norm­ver­brauch in wei­te Fer­ne. Und Rei­fen braucht er, etwa weil sich dann doch immer wie­der einer mit dem ESP-Knopf spielt und sich mit quiet­schen­den Rei­fen ein­dreht. Dabei wür­de ein Tip­pen aufs Brems­pe­dal rei­chen, um die Trak­ti­ons­kon­trol­le sofort wie­der zu akti­vie­ren.

Das um Grip wim­mern­de Quiet­schen der Rei­fen ist auch das ein­zi­ge Geräusch, das noch lau­ter ist als der infer­na­li­sche V8. Wenn die 510 PS und 700 Nm aus dem 3982 Kubik­zen­ti­me­ter gro­ßen Bitur­bo-V8 über die Hin­ter­rä­der auf die Renn­stre­cke drän­gen, hilft auch kein Sport­rei­fen. Dann raucht es. Natür­lich hat auch AMG einen Sport-Hand­ling-Mode inte­griert, der selbst kom­plett Ahnungs­lo­se ein bis­serl quer­fah­ren lässt, ohne dass viel schief­ge­hen kann. Für alle ande­ren gibt es ein mecha­ni­sches Sperr­dif­fe­ren­zi­al — das im S elek­tro­nisch gesteu­ert wird.

Weil AMG gera­de dabei war, haben sie zwei C 63 gebaut, einen zivi­len mit 476 PS und 650 Nm — und eben den noch schär­fe­ren mit dem Zusatz S, mehr Leis­tung und Dreh­mo­ment, Race-Modus und wei­te­ren Spie­le­rei­en. Bei­de kom­men als Limou­si­ne im März (als T-Model­le im April) zu den Händ­lern. Ab 89.170 € darf man dann einen AMG C 63 sein Eigen nen­nen. Für das S legt man noch ein­mal min­des­tens 9750 € drauf.

Deut­lich güns­ti­ger — auch wenn es noch kei­ne genau­en Prei­se gibt — wird künf­tig der Ein­stieg in einen C-Klas­se-AMG wer­den. Denn mit dem C450 AMG 4matic bringt Mer­ce­des auch einen klei­nen Sport­ler, der auf dem 400 4matic basiert und um eini­ge AMG-Details ergänzt wur­de. Er hat etwa mehr Sturz auf bei­den Ach­sen, ein über­ar­bei­te­tes Getrie­be, eine stär­ke­re Brems­an­la­ge …

Auch wenn das am Stamm­tisch kei­ner glaubt — und bei AMG nie­mand ger­ne hört -, ist der 450er für die meis­ten wohl die bes­se­re Wahl. 367 PS sind mehr als genug Leis­tung, ist mit dem heck­las­ti­gen All­rad aber so was von kna­ckig und sicher zu fah­ren — und auch noch güns­ti­ger. Die 0,9 Sekun­den beim Spurt auf 100 km/h schen­ken wir dem C 63 S, den noch bru­ta­le­ren Sound auch.


Die­ser Arti­kel erschien am 27. Febru­ar 2015 in der Tages­zei­tung der Stan­dard und am 01. März 2015 auf derStandard.at/Automobil.


Fotos: Mercedes-Benz