Eisige Grenzerfahrung

Die Porsche Driving Experience hat im Pitztal ihre Pylonen aufs verschneite Eis gestellt.

Je Winter desto Zweitwagen. So oder so ähnlich dürfte eine geheime Benützungsanleitung für manche Sportwagenfahrer lauten. Und es ist ja auch nur logisch, dass in der kalten Jahreszeit weniger Sportwagen unterwegs sind. Wer setzt seinen teuren Traumwagen schon gerne dem aggressiven Salz aus? Zudem ist so ein Sportwagen gar nicht so einfach zu derbändigen, wenn er auf einmal aufs Eis kommt.

Dabei ist es extrem kurzweilig, einen Sportwagen auf Eis zu fahren. Das beweist Porsche mit der Driving Experience jeden Winter. Im Pitztal haben die Stuttgarter ihr Winterfahrzentrum aufgebaut und eine feine Mischung betriebseigener Fahrzeuge – vom Cayenne über den Panamera bis zu 911ern – zum Spielen und Kennenlernen in den Schnee gestellt. Als Instruktor leitet Rallye-Legende Kris Rosenberger das illustre Porsche-Eisstockschießen.

430 PS drückt der mindestens 157.754 Euro teure Porsche 911 Carrera 4 GTS über alle vier Räder auf das schneebedeckte Eis. Man braucht kein Rennfahrer zu sein, um sich auszurechnen, dass beim ersten nicht zaghaften Gasstoß der Grip abreißt. Infernalisch brüllt der GTS aus den Endrohren durchs Pitztal und schießt regelrecht über den rutschigen Parcours. Das Auto ist so fein abgestimmt, dass er selbst unter diesen widrigen Bedingungen unglaublich schnell ist – und quer.

Dabei ist das Driften mit diesem Auto so einfach, als wäre es die natürlichste Fortbewegung auf vier Rädern. Der hinterachslastige Allradantrieb lässt das Heck tanzen, während man mit den Vorderrädern ganz einfach die Richtung vorgibt, in welche die Reise gehen soll. Ist nur gut, dass man von außen nicht sieht, wie kinderleicht der Ritt am Grenzbereich ist.

Etwas anders ist die Sache beim Cayman. Mittelmotor und Hinterradantrieb brauchen drei, vier Kurven, bis man verstanden hat, wann man wie viel Gas geben darf, wie früh man mit dem Gegenlenken beginnen muss. Aber hat man das erst einmal heraus, spielt man mit dem 275 PS starken, 64.530 € teuren Cayman mit den Allrad-Porsches mit. Klar, man muss hinterm Steuer richtig arbeiten, exakter fahren und eine gute Blicktechnik haben. Aber genau das macht ja das Sportwagenfahren so interessant – auch auf Eis.


Dieser Artikel erschien am 27. Februar 2015 in der Tageszeitung der Standard und am 27. Februar 2015 auf derStandard.at/Automobil.


Fotos: Porsche Austria