Der Elefant auf der Cola-Dose

Der Ford Fies­ta Red Edi­ti­on holt 140 PS aus einem Liter.

Andrew Fraser greift zu einem dramatischen Bild, um zu zeigen, was sich im neuen EcoBoost-Motor von Ford abspielt. 140 PS holen die Techniker des Ford-Forschungszentrums in Aachen und des Technical Centre in Dunton aus 998 Kubikzentimeter Hubraum. Das geht natürlich nur über einen flinken Turbolader. Dieser schaufelt — wie früher ein guter Heizer Kohle — Luft in den Motor. Darum musste Ford auch die Zylinderkopfdichtung überarbeiten, damit sie dem Ladedruck von 2,6 bar standhält. Bis zu 124 bar wirken auf jeden Kolben. “Das entspricht mehr als fünf Tonnen oder einem ausgewachsenen afrikanischen Elefanten, der auf einer Softdrink-Dose steht.” Das sagt zumindest der Ford-Motorenguru Andrew Fraser.

Dabei ist der afri­ka­ni­sche Ele­fant das weni­ger stim­mi­ge Bild. Die rote Dose, kom­pakt, prak­tisch und rand­voll mit Zucker und Kof­fe­in wür­de dann doch bes­ser zum stärks­ten Eco­Boost-Fies­ta in der Red Edi­ti­on pas­sen. Denn die­ser Fies­ta hat etwas von einem über­dreh­ten Teen­ager, der gera­de einen syn­the­ti­schen Ener­gie­schub ver­ar­bei­ten muss.

Der Fies­ta hängt direkt am Gas. Jede Bewe­gung des Fußes lässt Dreh­zahl­mes­ser und Tacho­na­del tan­zen. Der klei­ne Tur­bo­la­der spricht rasch an und dreht mit bis zu 248.000 Umdre­hun­gen pro Minu­te, wodurch die Leis­tung des Motors um zwölf Pro­zent gestei­gert wer­den konn­te.

Die 2,6 bar Lade­druck machen im rea­len Leben so viel Spaß, dass wir wet­ten wür­den, dass unser Test-Fies­ta den Spurt von null auf 100 km/h in unter neun Sekun­den geschafft hat. Das bringt uns aber zu einem ande­ren Wert, den wir so auch nicht erreicht haben: die 4,5 Liter, die Ford als Norm­ver­brauch angibt. Zwar gehen wir jede Wet­te ein, dass man sogar mit weni­ger Sprit 100 Kilo­me­ter weit kommt, aber auch für die­sen Fies­ta trifft jene alte Bau­ern­re­gel zu: je nied­ri­ger der Ver­brauch, des­to gera­der ist der Mund. Für ein per­ma­nen­tes Lächeln in der Stadt muss man sich schon sechs, sie­ben Liter leis­ten.

Damit sticht der Fies­ta jetzt weder posi­tiv noch nega­tiv aus der Palet­te der Klein­wa­gen von Polo, Cor­sa und Clio. Wie auch nicht mit der Len­kung. Die ist fast schon so indi­rekt und leicht­gän­gig wie bei den ande­ren Her­stel­lern. Nur beim Fahr­werk hat sich Ford nicht die Schneid abschnei­den las­sen. Wie­der fin­den die Köl­ner die per­fek­te Abstim­mung zwi­schen straff-sport­lich und kom­for­ta­bel. Dabei sind wir deut­lich auf der Sei­te der sport­li­chen Fah­rer, die spü­ren wol­len, wie der Belag unter den Rei­fen ist und nicht wie auf einem magi­schen Tep­pich durch die Welt glei­ten wol­len.

Kur­ven­speed statt Auto­bahn­maut, spät brem­sen statt früh vom Gas gehen, Lade­druck statt Luft­fahr­werk — dafür steht die­ser Fies­ta. Und stolz macht er das, als klei­ner Bru­der des Fies­ta ST.


Die­ser Arti­kel erschien am 27. März 2015 in der Tages­zei­tung der Stan­dard und am 29. März 2015 auf derStandard.at/Automobil.


Fotos: Gui­do Glu­schitsch; Link: Ford