Trials wie Pech und Schwefel

Terence Hill fuhr 1974 in “Zwei wie Pech und Schwe­fel” eine Ossa. Seit 2011 gibt es die spa­ni­schen Motor­rä­der wie­der in Öster­reich.

Trompeten-Musik wie aus einem Wildwestfilm. Stahlblaue Augen, darüber eine Mütze. Schnitt. Schwarze Helme, verkratzte Visiere. Blauer Rauch aus den Endtöpfen. Schnitt. Guido und Maurizio de Angelis singen von einem “Dune Buggy”. Ein kräftig gebauter Kerl schließt auf, zu den bösen Schwarzhelmen und dem coolen Blauaugenkappler. Er sitzt auf einer Moto Zodiaco und hat sich als Bud Spencer einen Namen gemacht. Der Blauäugige ist natürlich Terence Hill, gemeinsam mit Bud Spencer war er 1974 “Zwei wie Pech und Schwefel”.

Nach­dem die bei­den am Film­an­fang ein paar “Hun­de­kno­chen” beim Ral­lye­cross geschrot­tet haben, duel­lie­ren sie sich mit den wirk­lich Bösen auf Motor­rä­dern. Die Hand­lung wäre schnell erzählt, spielt aber im Film nur eine Neben­rol­le.

Letz­te Woche auf Twit­ter, wüte­te wie ein Busch­feu­er, die Falsch­mel­dung, dass Terence Hill ver­stor­ben sei. Ist er aber nicht. Trotz­dem war das der Anlass, die Film-DVD wie­der in den Play­er zu ste­cken. Ist ja sicher schon wie­der ein Monat her, dass ich ihn das letz­te Mal gese­hen habe. Und wie so oft, fra­ge ich mich: Was ist eigent­lich aus Ossa gewor­den? Denn das ist das Motor­rad, das Terence Hill im Film fährt. Eine Ossa 250 Endu­ro aus 1973.

Ossa hat eine ruhmreiche Geschichte, dann war eine Zeitlang nix - und jetzt sind sie wieder da.

Die Entstehung von Ossa

Bli­cken wir zurück in die 1930er-Jah­re in Spa­ni­en: Manu­el Giró lieb­te Motor­boot-, Auto- und Motor­rad­ren­nen und als sei­ne Fami­lie, die im Tex­til­ge­schäft tätig war, eine still­ge­leg­te aber voll aus­ge­stat­te­te Auto­fa­brik kauf­te, rea­li­sier­te er sei­nen Traum, begann Motor­rä­der zu bau­en und stell­te 1942 die ers­te Ossa, einen Motor­rad-Pro­to­ty­pen mit Moto­be­ca­ne-Motor vor. Rund zehn Jah­re spä­ter waren die Ossas am Markt, wei­te­re zehn Jah­re spä­ter waren sie mit Werks­fah­rer Mick Andrews bei der Sechs­ta­ge­fahrt sieg­reich. Noch ein­mal zehn Jah­re spä­ter begann der Nie­der­gang der Mar­ke. Auch wenn Terence Hill die Ossa gut in Sze­ne setz­te – die Wirt­schaft in Spa­ni­en sta­gnier­te, die Japa­ner kamen und Mick Andrews wech­sel­te zu Yama­ha. 1984 muss Ossa zusper­ren.

Neu 2014 bei Ossa, die TR250i.

2009 beginnt die Ossa-Geschich­te aufs Neue, jetzt unter der schüt­zen­den Hand von Gas­Gas. Ossa baut im zwei­ten Anlauf Tri­al-Motor­rä­der, die seit 2011 nach Öster­reich impor­tiert wer­den. Brach­te ursprüng­lich BLM, die Leit­ners in Bruck also, Ossa nach Öster­reich, ist es nun die Fir­ma Bach­ner in Lunz am See. “Die Ossa ist die am ein­fachs­ten zu fah­ren­de Tri­al”, ist Fir­men­chef Andre­as Bach­ner über­zeugt. “Sie ist nicht so wett­be­werbs­las­tig, leich­ter und hat als ein­zi­ge Tri­al einen Zwei­takt-Motor mit Ein­sprit­zung.” Damit fährt sie sanf­ter, meint er, baut mehr Trak­ti­on auf.

Die Explorer ist ein Angebot an Trialwanderer zwischendurch auch Platz zu nehmen.

Je nachdem wen man fragt

Die Ossa ist teu­rer als die Kon­kur­renz, und gera­de gestan­de­ne und lang­jäh­ri­ge Gas­Gas-Fans kön­nen sich mit der Ossa nicht so recht anfreun­den. Sie sei zu wenig sprit­zig und man kön­ne das Vor­der­radl nur schwer über hohe Hin­der­nis­se schmei­ßen. Ganz anders sieht das Andre­as Bach­ner. Er erkennt in der Ossa den Vor­teil, dass einem das Vor­der­rad nicht sofort auf­steigt, man leich­ter über Steil­hän­ge fah­ren kann, ohne fürch­ten zu müs­sen, jeden Moment hin­ten abzu­stei­gen.

Heu­er bringt Ossa die TR250i kom­plett neu, eine 250er-Zwei­takt-Tri­al. Auf­se­hen erre­gend ist aber immer noch die Explo­rer – eine Tri­al mit Sitz­bank, wenn man so möch­te. Sie ist, wie ihr Pate, die Explo­rer aus 1972, ide­al zum Tri­al­wan­dern, weil man sich auf den Zwi­schen­pas­sa­gen set­zen und erho­len kann, im Gelän­de aber trotz­dem eine agi­le Tri­al fährt. Im Grun­de basiert die Explo­rer auf der TR280i, hat also den 272,2 Kubik­zen­ti­me­ter gro­ßen Zwei­takt­mo­tor, wiegt 74 Kilo­gramm und hat einen 7,6 Liter gro­ßen Tank.

Unter der Sitzbank steckt im Grunde die TR280i.

Ossa Explorer

Jetzt könn­te man sagen: Damit komm ich am Wochen­en­de aber nicht weit. Stimmt. Dafür ist die Explo­rer aber auch nicht gebaut, son­dern eben für Tri­al­fah­rer, die auch ein­mal Distan­zen zurück­le­gen müs­sen. Oder, wor­an Ossa wohl nicht gedacht hat: Die Explo­rer dürf­te wohl das lus­tigs­te Motor­rad für die Stadt sein. Wäh­rend sich ande­re über den Bau­stel­len­som­mer ärgern, freut man sich auf der Explo­rer über jede noch so klei­ne Her­aus­for­de­rung. Wie Par­cours eben, nur eben mit dem Motor­rad. Fred Crosset und vor allem Juli­en Dupont haben das ja schon vor­ge­zeigt



Die­ser Arti­kel erschien am 13. Jän­ner 2014 auf derStandard.at/Motorrad.


Fotos: Ossa