Porsche hat Schwein und Mercedes den Reitwagen

Städ­te­trips sind für die meis­ten Män­ner unge­fähr so inter­es­sant, wie ein Fern­seh­abend mit Karot­ten­sticks und dem Film „Die Brü­cken am Fluss“.

Außer vielleicht, eine der Brücken führt über den Neckar und damit quasi direkt zum Mercedes-Museum. Respektive am Rückweg schnurstracks zu Porsche in Zuffenhausen. Diesen Film gibt es aber leider  noch nicht. Macht nix. Wir tauschen Fiktion gegen Realität und verbringen ein PS-reiches Wochenende in Stuttgart.

Und dort in Stutt­gart haben s‘ echt einen Poscher – einen Auto-Poscher. Kaum sitzt du ein, zwei, fünf Stun­den beim Mexi­ka­ner am Eck bei Coro­na und Tap­pas, kommst du aus dem Nobel-Hobel-Schau­en nicht raus. Da glaubt man ja gern, die Wie­ner sei­en das Volk der Pro­me­nie­rer, aber gegen die Stutt­gar­ter stin­ken wir ab. Fet­te Ben­ze, Audis, BMWs, aber auch hie und da ein Lam­bor­ghi­ni oder Aston Mar­tin zie­hen in einer schein­ba­ren End­los­schlei­fe ihre Krei­se durch die Stutt­gar­ter Innen­stadt. Als sei­en die Fah­re­rin­nen und Fah­rer auf der Suche nach – naja, jeder nach was ande­rem wahr­schein­lich – oder auch alle ein­fach nur nach einem Park­platz. Por­sche sieht man jeden­falls ver­hält­nis­mä­ßig wenig, aber wenn, dann sind es die gro­ßen Fami­li­en­kut­schen. Trotz­dem besu­chen wir am nächs­ten Tag erst Mer­ce­des-Benz auf unse­rer Muse­ums-Tour.

Sternderlschaun

Auf neun Geschos­sen und rund 17.000 Qua­drat­me­tern hat Daim­ler sei­ne knapp 130-jäh­ri­ge Fir­men­ge­schich­te unter­ge­bracht. Chro­no­lo­gisch geord­net, von oben nach unten. Mit dem Pan­ora­ma­lift geht‘s in den 9. Stock. Dann zie­hen auch wir unse­re Krei­se. Spi­ral­för­mig führt der Weg hin­un­ter ins Par­terre – vor­bei und mit­ten durch die ver­schie­de­nen Epo­chen und Sta­di­en der Stern-Geschich­te und der des gesam­ten Auto­mo­bils. Wir stau­nen, wie gut der Reit­wa­gen bein­an­der ist. Der von Daim­ler und May­bach 1885 gebau­te Reit­wa­gen ist das ältes­te Fahr­zeug mit Ver­bren­nungs­mo­tor, und – nach­dem sie ihren Motor aus Kos­ten­grün­den auf ein Zwei­rad mon­tiert haben, auch das ers­te Motor­rad. Das Ori­gi­nal ist aller­dings bei einem Brand in Rauch und Asche auf­ge­gan­gen, dar­um steht ein Nach­bau im Muse­um.

Wir über­le­gen, ob der Dop­pel­phae­ton aus 1905, oder das 300 S Cabrio aus den 50er Jah­ren  das bes­se­re Fami­li­en­au­to wäre, sind uns einig, dass Berg­meis­ter und SLS unbe­dingt in die Gara­ge gehör­ten und sich die Sil­ber­pfeil-Mena­ge­rie ziem­lich gut an der sti­li­sier­ten Steil­kur­ve knapp vorm Aus­gang macht. Mit Lie­be zum Detail, dem Hang zum Edlen, Haus­ver­stand, die räum­li­che Pla­nung betref­fend, und inter­ak­ti­ven Aus­stel­lungs­stü­cken hat Mer­ce­des eine Erleb­nis­welt geschaf­fen, wo wirk­lich jeder irgend­et­was zum Schau­en, Lesen oder auch zum dran Her­um­spie­len, fin­det.

Schwein gehabt

Bei Por­sche gibt es nichts zu spie­len. Jeden­falls nicht, bis man die zwei Stock­wer­ke durch­wan­dert hat und im Shop steht. Por­sche baut sein Muse­um anders auf als Mer­ce­des-Benz. Clean und strai­ght. Natür­lich steht der Egger-Loh­ner dort — das ers­te Elek­tro­au­to der Geschich­te -, ein Käfer, der einem Rie­sen gleich, alle ande­ren Autos rund um ihn über­ragt, und ein Golf­bag. Fer­ry Por­sches Urme­ter für die Grö­ße des 911er Kof­fer­raums. Sonst  ver­schreibt sich Por­sche auf den knapp 6000 Qua­drat­me­ter ganz den Cre­dos „schnell, leicht, stark, inten­siv, cle­ver und kon­se­quent“.

Mit der „Le Mans“-Sonderausstellung decken sie auch gleich die ers­ten vier die­ser Ansprü­che an sich selbst ab. Da steht der 908er Por­sche, mit dem Hermann/Larousse 1969 den ers­ten Gesamt­sieg für Por­sche in Le Mans geholt haben. Oder der 961er, der ers­te und bis heu­te ein­zi­ge Renn­wa­gen mit All­rad­an­trieb in Le Mans. Auf Wal­ter Röhrl tref­fen wir auch. Er fuhr 1981 den 954 GTP, den Pro­to­ty­pen vom 944er, beim 24-Stun­den-Ren­nen.

Ob er sich auch in die „Sau“ gesetzt hät­te? Wahr­schein­lich. Por­sche bau­te ein Mischung aus Kurz- und Lang­heck­ver­si­on des 917. Die Form fand wenig Anklang, Ver­glei­che mit einem „fet­ten Schwein“ wur­den laut. Por­sche, gar nicht schmäh­stad, lackier­te das Teil kur­zer­hand rosa und beschrif­te­te es mit Rüs­sel, Schul­ter, Kote­lett … eben allem, was man so an einem Fer­kel­chen fin­det.

Und was Cle­ver­ness und Kon­se­quenz betrifft: Das kann man bestimmt mit einem Wort zusam­men­fas­sen — Por­sche 911. Zwar immer wei­ter­ent­wi­ckelt, aber im Grun­de seit 1964 als sol­cher zu erken­nen. Wir haben zum Schluss auch was erkannt. Bei Por­sche gibt’s doch noch was zum Spie­len. Zwei 911er ste­hen vor der Tür, mit denen man gegen einen Bei­trag in die Fir­men­kas­se ein ech­ter Stutt­gar­ter wer­den und auch ein zwei Run­den pro­me­nie­ren kann.


Text: Gabrie­le Glu­schitsch, Fotos: Gui­do Glu­schitsch