Mit der Kraft aus den Wurzeln

Von Motor­rä­dern, die Autos antrei­ben.

Opel ist da ein schönes Beispiel, wenn es darum geht, die Wurzeln der Autoindustrie auszugraben. Was 1862 mit einer Nähmaschinenfabrik begann, führte über Fahrräder und Motorräder zur Erzeugung von Automobilen. DKW baute erst Motorräder, dann Autos. Daimler hat mit dem Reitwagen von 1885 gar das erste Motorrad in der Firmengeschichte.

Alle gaben sie das Motor­rad­ge­schäft auf, um sich auf die Autos zu kon­zen­trie­ren. Nur BMW bau­te wei­ter­hin sowohl als auch. Und das äußerst erfolg­reich. Bestimmt spielt die­ser Erfolg auch eine ent­schei­den­de Rol­le dafür, dass der Volks­wa­gen-Kon­zern 2012 Duca­ti kauf­te und zu einer Audi-Toch­ter mach­te. Doch es ist nicht nur der Erfolg, es geht da auch um Tech­nik und Emo­tio­nen. Dar­um hat VW sei­nen XL1 nun als XL Sport mit einem 200 PS Motor von Duca­ti bestückt.

Daimler knirscht mit den Zähnen

Zäh­ne­knir­schend nahm man das wohl in Stutt­gart hin. Mit der Über­nah­me von Duca­ti durch VW kam die Alli­anz zwi­schen Mer­ce­des und Duca­ti zum Erlie­gen. Nun bemüht sich Daim­ler um eine ande­re ita­lie­ni­sche Motor­rad­mar­ke: MV Agus­ta. Ein Vier­tel des Unter­neh­mens haben die Stutt­gar­ter bereits über­nom­men.

Wie bei Duca­ti kann man auch bei MV Agus­ta sagen: Die Ita­lie­ner freut es. Denn die Zwei­rad­bau­er lei­den beson­ders unter der Wirt­schafts­kri­se und brau­chen drin­gend Geld. Die Auto­bau­er freut es auch, denn sie pro­fi­tie­ren vom Know-how, das in den leis­tungs­star­ken, kom­pak­ten Moto­ren steckt — und von den Moto­ren selbst, wie man beim XL Sport sieht. Oder: BMW nutzt einen eige­nen Motor­rad­mo­tor als Ran­ge-Exten­der für den i3. Bei Daim­ler denkt man Ähn­li­ches, aber offi­zi­ell noch nicht an.


Die­ser Arti­kel erschien am 14. Novem­ber 2014 in der Tages­zei­tung der Stan­dard und am 17. Novem­ber 2014 auf derStandard.at/Automobil.


Foto: Volkswagen