Ein Achterl macht optisch den Liter

Im Som­mer bringt Yama­ha eine wei­te­re MT auf den Markt, eine 125er, die ganz in der Optik der gro­ßen Schwes­tern daher­kommt.

Nach der Dreizylinder MT-09 und der Zweizylinder MT-07 erweitert Yamaha die Streetfighter-Palette ab August nach unten und bringt in der Achtel-Liter-Klasse die MT-125. Der 125 Kubikzentimeter große Vierventil-Einzylinder-Motor leistet 15 PS – damit dürfen 16-Jährige, die im Besitz eines Führerscheins  A1 sind, die MT schon ausführen. Und die 16- bis 18-Jährigen beschreiben wohl auch die Zielgruppe, die Yamaha anvisiert – selbst wenn der Führerschein B mit dem Code 111 zum Fahren der MT-125 bemächtigt.

Weil die Jugend aber statt stär­ke­rer Mopeds lie­ber schwä­che­re Maschi­nen fährt, ist eines der Haupt­ar­gu­men­te für den Kauf – neben dem Preis – die Optik. Das hat Yama­ha ver­stan­den und zeich­ne­te die 125er-MT ganz im Stil ihrer gro­ßen Schwes­tern. Mit dem anstei­gen­den Heck und dem MT-typi­schen Schein­wer­fer spielt die 125er mit der „Big-Bike-Optik“, wie Yama­ha meint.

Die Platt­form für die MT stammt von der YZF-R125. Einem Motor­rad, dem die MT bald den Rang ablau­fen könn­te. Denn das Super­sport-Seg­ment ist aus der Mode gekom­men. Stre­et­figh­ter hin­ge­gen, fast nack­te Motor­rä­der mit schar­fem Hand­ling, aggres­si­vem Äuße­ren und einem bul­li­gen Motor, sind gera­de in. Genau­so wie angeb­lich diver­se elek­tro­ni­sche Spie­le­rei­en. Wäh­rend Ves­pa aber bereits das Smart­pho­ne als Zusatz­in­stru­ment inte­griert, belässt es Yama­ha bei den LCD-Instru­men­te beim Smart­pho­ne-Design, wie es Yama­ha nennt. In Wirk­lich­keit ist es wohl eher der Ver­such, eine neue Anzei­ge zu erfin­den. Ach ja, und die klei­ne MT sagt beim Star­ten artig ein Begrü­ßungs­sprü­cherl in den Arma­tu­ren auf.

Das konn­te die 125er-R nicht. Zudem hat das Super­sport-Ach­terl die ein­deu­tig sport­li­che­re Sitz­po­si­ti­on. Auf der MT wur­de die­se ent­schärft. Durch den kur­zen Tank konn­te Yama­ha den Hüft­punkt um 42 Mil­li­me­ter nach vor­ne ver­set­zen. Die Sitz­hö­he sinkt um fünf Mil­li­me­ter auf 820 Mil­li­me­ter, der Len­ker ist nun 100 Mil­li­me­ter höher und um 35 Mil­li­me­ter wei­ter nach hin­ten gezo­gen.

Damit ver­spricht Yama­ha eine „deut­lich auf­rech­te­re Sitz­po­si­ti­on“, die „gemä­ßigt sport­lich“ ist, „ent­spann­ten Sitz­kom­fort“ bie­tet, „der sowohl im Stadt­ver­kehr als auch auf der Land­stra­ße für hohe All­tags­taug­lich­keit sorgt.“ Für groß gewach­se­ne Jugend­li­che, die an der 180er-Mar­ke krat­zen, oder die­se schon hin­ter sich gelas­sen haben, stimmt das sicher nicht. Die müs­sen sich auf der klei­nen MT so zusam­men­fal­ten, dass sie sich mit den Kni­en die Ohren zuhal­ten und die Band­schei­ben spä­tes­tens mit 30 einen Buckel zau­bern, dass der Glöck­ner, im Ver­gleich dazu, wie ein Model her­um­steigt.

Auf­fal­lend ist, neben dem aggres­si­ven Look, die schwim­mend gela­ger­te, 292 Mil­li­me­ter gro­ße Schei­ben­brem­se vor­ne, mit der radi­al ver­schraub­ten Brems­zan­ge. Sport­lich ist auch die Gabel – eine 41-Mil­li­me­ter star­ke Upsi­de-Down-Tele­skop­ga­bel. Fesch gelöst sind die Schwin­ge, die Gabel­brü­cke, und dass Yama­ha hin­ten zu einer 130er-Hin­ter­rei­fen greift. Kei­ne beson­de­re Augen­wei­de ist der Seri­en-Aus­puff. Aber Yama­ha bie­tet gleich zum Ver­kaufs­start einen Akra­po­vic an, der wie­der in die Ker­be der gro­ßen Maschi­nen schlägt.

Mutig ist auch der Preis von 4.399 Euro. Denn der direk­tes­te Kon­kur­rent für die MT-125, die KTM Duke, kos­tet mit 4.198 Euro um rund 200 Euro weni­ger, ist mit 127 Kilo­gramm fahr­fer­tig nur ein Kilo­gramm schwe­rer als die MT-125 tro­cken, und rollt hin­ten sogar auf einem 150er-Rei­fen. Die Hon­da CBF125, die zwar so gar nicht in die Naked- oder Stre­et­figh­ter-Klas­se passt, aber viel­leicht doch eine Opti­on bei den Jun­gen ist, kos­tet gar nur 2.590 Euro, hat dafür aber nur 11,3 PS, eine Trom­mel­brem­se und einen 100er-Pat­schen hin­ten. Aber am Ende ent­schei­det wohl auch in dem Alter nicht nur die Optik, son­dern auch der Preis.


Die­ser Arti­kel erschien am 19. Mai 20141 auf derStandard.at/Motorrad.


Fotos: Yamaha