Mit dem S4 bei der Audi driving experience: Lenken tuma mitn Gas

Audi bie­tet mit der dri­ving expe­ri­ence auch Win­ter-Fahr­trai­nings an. Vom Grund­trai­ning für Eis-Anfän­ger, über das Auf­bau- bis hin zum Drift­trai­ning für die Spe­zia­lis­ten.

Zehn Sekunden bis zum „Zack“. Der Audi S4 Avant steht auf gnagelte Bock, Lappi-Spikes, für die Kenner. 333 PS aus dem 3-Liter V6-Benziner warten auf ihren Einsatz. Neun Sekunden bis zum „Zack“. Auch wenn wir hier auf der Eisbahn von Saalbach bei der Audi driving experience wohl mit 100 PS locker das Auslangen finden würden. Acht Sekunden bis zum „Zack“. Alle elektronischen Helfer sind ausgeschaltet. Nun ja, was sich halt vom elektronischen Stabilisierungsprogramm über den ESC-Schalter ausschalten lässt. Sieben Sekunden bis zum „Zack“. Die elektronische Differentialsperre wird ja weiterarbeiten und uns eine große Hilfe sein. Sechs Sekunden bis zum „Zack“.
Mit dem S4 aufs Glatteis, bei der Audi driving experience in Saalbach.

Das Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be ist auf Sport gestellt, Sitz­po­si­ti­on passt. Fünf Sekun­den bis zum „Zack“. Der S4 rollt lang­sam an. Gera­de­aus, zwi­schen den Pylo­nen. Vier Sekun­den bis zum „Zack“. Sanft beschleu­ni­gen auf 30 km/h. Was zu tun ist, kann man, muss man aber nicht ver­ste­hen. Wenn man genau das macht, was der Sepp Hai­der sagt, funk­tio­niert auch so alles pro­blem­los. Eis­drif­ten – wie kochen nach Rezept. Noch drei Sekun­den bis zum „Zack“. Noch ein bis­serl bis 30. Jetzt passt es. Blick vom Tacho lösen. In die Kur­ve schau­en. Noch zwei Sekun­den bis zum „Zack“. Ein­len­ken bis zum Anschlag. Der Sepp sagt eh recht­zei­tig wann. Sieht es auch gleich, wenn der Anschlag vom Auto noch weit weg ist. Noch eine Sekun­de bis zum „Zack“. Weg vom Gas. Die Last des S4 schiebt sich nach vor­ne auf die Vor­der­rä­der, die Schnau­ze zieht stark nach innen. „Zack!“ brüllt der Sepp ins Funk­ge­rät und damit direkt in den S4. Zack heißt, latsch aufs Gas. Ein­mal. Kurz. Kräf­tig. Bis der S4 im rech­ten Win­kel zur Fahrt­rich­tung steht. Dann lenk mit dem Gas.

Ohne Briefing geht beim Drifttraining mit einem Allradler aber schon gar nix.

Wer die Grund­be­grif­fe des Drif­tens in einem alten Tau­nus erlernt hat, der lenkt nicht gleich mit dem Gas. Der kriegt die ein­mal ein­trai­nier­ten Abläu­fe weni­ger schnell aus den Hän­den und Bei­nen als aus dem Kopf. Kommt der S4 Avant mit dem Heck, ver­fällt er der alten Hin­ter­rad-Drift­re­gel: „Len­kung auf und Gas dazu.“ Damit sticht man im All­rad aber jeden Drift im Ansatz ab. Ich weiß das. Der Sepp sieht das. Der Sepp kom­men­tiert das. Der Sepp kor­ri­giert das: „Wenn er quer ist, dann die Len­kung gera­de. Len­ken tuma dann mitn Gas.“ In etwa so: Je mehr Gas man gibt, des­to enger wird der Kur­ven­ra­di­us. Am Volant kor­ri­giert man nur, oder lei­tet Umset­zer ein.

Kurvendiskussionen auf Eis und Schnee.

Die Wor­te höre ich wohl, allein mir fehlt das Kön­nen. Es ist wahn­sin­nig zach, den Blick in Rich­tung Kur­ven­aus­gang zu set­zen, die Len­kung aber genau auf den Hai­der Sepp, der im Kur­ven­schei­tel steht und in sein Funk­ge­rät brüllt. „Net gegen­len­ken, Him­mel­fix.“

Wenn der Sepp nicht "Zack!" sagen kann, is' er's nicht.

Aber auf den Hai­der Sepp lenkt man mit 333 PS auf Voll­last nicht so selbst­ver­ständ­lich zu.  1988 gewann der die Ral­lye Neu­see­land. Ein Jahr dar­auf wur­de er Deut­scher Ral­lye­meis­ter. Er fuhr in der DTM. Und er hat sogar Wal­ter Röhrl schwer beein­druckt. Der ist ein­mal eine Berg­renn­stre­cke vor­ab abge­gan­gen, und jedes­mal, wenn er am Gas­stoß vorm Run­ter­schal­ten hör­te, dass sich ein Auto näher­te, soll er auf die Sei­te gegan­gen sein. Dann kam aber einer, der schal­te­te nicht zurück. Blieb in sei­nem Ral­lye-Käfer voll am Gas. Der Röhrl ver­gisst vor lau­ter Stau­nen zu flüch­ten, und der Sepp Hai­der brennt in der Blech­ku­gel an ihm vor­bei, dass der Deut­sche sofort wis­sen will, wer der Wahn­sin­ni­ge ist. Wenn es halt stimmt. Ich war ja nicht dabei. Aber wenn man den Sepp kennt, dann weiß man, so weit von der Rea­li­tät kann die Geschich­te nicht weg sein – wenn über­haupt. Jeden­falls: So einen Sepp, den führt man nicht zusam­men, auf den lenkt man nicht zu, den macht man sich auch mit Gewalt nicht zum Blick­punkt.

Wo geht's hier zur nächsten Übung?

Beim vier­ten Ver­such bleibt der S4 quer. Nicht zu len­ken, ist schwe­rer als zu len­ken – wenn man es sich ein­mal antrai­niert hat. Aber jetzt, jetzt ist es geschafft. Der Knopf ist offen. Das Sport­dif­fe­ren­ti­al über­setzt Lenk- und Gas­stel­lung so, dass der S4 zu drif­ten ist wie ein Match­box-Auto. Die Gena­gel­ten fres­sen sich auf­grund der paar Grad Plus, die wir haben, nicht ins Eis son­dern inzwi­schen in den Firn. Mör­de­ri­scher Grip. Ganz schön flott. Irrer Spaß. Nur der Sepp tut mir leid, wenn wir ihm hier die Eis­bahn auf einen Höhen­stra­ßen-Park­platz zusam­men­rut­schen.

Es is' ein Griss um die Autos.

Nach gut 20 „Zack“ wech­selt die Übung. Erst eine Links­kur­ve, dann eine Rechts­kur­ve, ein­mal alles mit Anpen­deln, dann ein Last­wech­sel­sla­lom, ein Ach­ter und ein klei­ner Hand­ling­par­cour. Am meis­ten Spaß mit dem Avant machen die Last­wech­sel­übun­gen. Obwohl der S4 schon so quer ist, dass der Dre­her näher scheint als der nächs­te Umset­zer, zieht sich der Audi auf Gas qua­si sel­ber in den nächs­ten Drift. Und trotz­dem ist alles ein Kin­der­spiel. Was zum gro­ßen Teil aber auch an den Instruk­to­ren liegt, die einem recht­zei­tig sagen, was man machen muss, wohin len­ken, wann man aufs Gas muss, und wann es Zeit ist, wie­der das Pedal aus­küh­len zu las­sen.

Einsteigen, ESC ausschalten und losfahren.

Nein, das Drift­trai­ning ist nicht der Ein­stieg in die Eis­fah­re­rei – obwohl, wer etwas auf Zack ist, ein Lenk­rad rich­tig hal­ten kann und den Unter­schied zwi­schen Unter- und Über­steu­ern kennt, für wen der Kamm‘sche Kreis kein Arbeits­uten­sil im Fri­seur­sa­lon ist, der wird hier auch ohne Grund- und Auf­bau­trai­ning sei­nen Spaß haben. Gefah­ren wird – zumin­dest heu­er noch – aus­schließ­lich mit Audi S4 Avant – also nicht mit dem eige­nen Auto, son­dern einem direkt bei der Audi dri­ving expe­ri­ence ange­mie­te­ten. Blitz­blank und per­fekt gewar­tet ste­hen die­se Autos selbst­ver­ständ­lich da, und man braucht sich um wirk­lich nichts zu küm­mern, als dar­um, vor der Ein­fahrt in die ers­te Übung das ESC aus­zu­schal­ten. Um 550 Euro sitzt man dann einen hal­ben Tag im S4 Avant und treibt ihn quer – samt Zeit­neh­mung auf einem Abschluss­par­cours. Ein­zi­ges Pro­blem: Die Trai­nings sind so gut gebucht, dass man schon ein wenig vor­pla­nen muss.


Die­ser Arti­kel erschien am 12. Febru­ar 2014 auf derStandard.at/Automobil.


Fotos: Audi/Christian Houdek


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