Total öko, der Papperdeckel-Roller

Am Wochen­en­de prä­sen­tier­te Andre­as Loh­ner sei­nen ange­kün­dig­ten E-Scoo­ter auf der green­Ex­po. Der Debü­tant blieb eini­ge Ant­wor­ten schul­dig.

Hat der neue den gleichen Radstand wie der alte?”, fragt ein Mann, dessen Reife annehmen lässt, dass er mit dem alten, einem Lohner-Roller mit Verbrennungsmotor, schon ein paar wilde Geschichten erlebt hat. Andreas Lohner greift erst zur Brille, dann zum eigenen Infomaterial vor sich – nach wenigen Sekunden ruft er, anscheinend Hilfe suchend, nach einem gewissen Georg.
Auf der greenExpo: Der Lohner-Roller namens Lea in seiner noch nicht wirklich fertigen Gestalt.

Es ist Sams­tag Vor­mit­tag. Die green­Ex­po hat gera­de erst die Pfor­ten geöff­net, und gut drei­ßig Leu­te drän­gen in die Mes­se. Nicht, ohne mich, in der Motor­rad­kluft, scheel anzu­schau­en. Momen­te spä­ter tref­fen wir uns am sel­ben Stand. Der Mann mit der Schnürl­samt­ho­se, die Dame mit dem Jute-Sackerl – und ich, im kerat­in­ver­zier­ten Leder. An mei­nem Arm bau­melt der Helm, aus dem es inzwi­schen, zuge­ge­ben, schon etwas streng riecht. Eines haben wir aber alle gemein­sam. Die Fas­zi­na­ti­on dar­über, wie sehr sich Loh­ner mit sei­nem ersehn­ten Expo­nat dem Mes­se­mot­to annimmt. Denn statt des neu­en Loh­ner-Rol­lers mit E-Antrieb sehen wir weit mehr. Etwas, das aus­sieht wie ein wei­ßer Pap­per­de­ckel-Loh­ner. Recy­cling­papp­ma­ché? Eh total öko und green, aber ver­spro­chen wur­de uns ein selbst­tra­gen­des Car­bon-Chas­sis.

Die stilistischen Anleihen beim legendären Urahn sind erkennbar.

Kommunikationsprobleme

Bereits im Vor­feld der offi­zi­el­len Prä­sen­ta­ti­on des Rol­lers zeich­ne­te sich ab, dass die Ent­zau­be­rung der Lea am Loh­ner-Stand Über­ra­schun­gen ber­gen wird. Letz­te Woche näm­lich, trat ich an Herrn Loh­ner her­an, bat ihn vor­ab um Bil­der sei­nes Rol­lers, und wir spra­chen recht lan­ge über sein Pro­jekt, da ich natür­lich vie­le Fra­gen hat­te. Das Erfah­re­ne ver­pack­te ich umge­hend in eine Geschich­te. Doch als es dar­um ging, das Gesag­te für den Arti­kel frei­zu­ge­ben, stand Andre­as Loh­ner nicht mehr zu sei­nen Wor­ten. “Nein, das gefällt mir alles gar nicht, wie Sie das schrei­ben. Das ist nicht im Sin­ne der Sache”, lässt er mich via E-Mail wis­sen.

Ein ers­tes Foto des Rol­lers gab es auch nicht. Top Secret nix dage­gen. Offi­zi­ell hieß es: “Dass den E-Rol­ler noch kein Medi­en­ver­tre­ter gese­hen hat, hat den simp­len Grund, dass er auf der greenEXPO13 am Frei­tag, 19. April, offi­zi­ell prä­sen­tiert und erst­mals gezeigt wird.” Aus den soge­nann­ten gut infor­mier­ten Krei­sen war zu die­sem Zeit­punkt bereits zu hören, dass es schlicht des­we­gen kei­ne Bil­der gäbe, weil der Rol­ler noch nicht zum foto­ge­nen Selbst gefun­den habe – und hof­fent­lich recht­zei­tig bis zur Mes­se auf den Rädern steht.

Entrepreneur Andreas Lohner (Mitte) bei der Präsentation der Studie.

Offene Fragen

Dabei begann alles so viel­ver­spre­chend. Magna knie­te sich bei der Ent­wick­lungs­ar­beit rich­tig rein. Ließ dann aber doch die Fin­ger vom Pro­jekt. Angeb­lich weil Magna der pro­gnos­ti­zier­te Gewinn zu gering war. Loh­ner hat das Kon­zept den­noch an Land gezo­gen. Markt­ken­ner gehen davon aus, dass die Pro­duk­ti­on eines Rol­lers die­ses For­mats etwa 3.000 Euro kos­tet. Ver­kauft wird er – weil man ja die ope­ra­ti­ven Kos­ten und den Ver­trieb auch mit­rech­nen muss – um rund 7.000 Euro.

Mit dem Ver­trieb hol­pert es aber noch. Der ange­kün­dig­te Ver­kaufs­start Mit­te Mai wird wohl nicht zu hal­ten sein, wenn es noch kei­nen Rol­ler gibt. Des­we­gen stört es auch nicht, dass das Ver­triebs­netz noch ein paar Kno­ten braucht. Doch selbst wenn die geknüpft sind, wird es für Loh­ner ver­mut­lich nicht leicht, sei­ne Lea inter­na­tio­nal bemer­kens­wert abzu­set­zen. Das typi­sche Loh­ner-Design zieht wohl am stärks­ten in Öster­reich. Im Aus­land sind die Sen­ti­men­ta­li­tä­ten dies­be­züg­lich eher gering. Und um rund 7.000 Euro bekommt man heu­te schon E-Rol­ler, die in etwa die glei­chen tech­ni­schen Daten vor­zu­wei­sen haben – und nicht gera­de weg­ge­hen wie die war­men Sem­meln.

Für rund 7.000 Euro soll das Gerät mit dem Österreich-Aspekt zu haben sein.

Überschaubare Verkaufszahlen

Govecs etwa ist nach eige­ner Bezeich­nung der “füh­ren­de deut­sche Her­stel­ler von inno­va­ti­ven Elek­trorol­lern”. Mit einer Höchst­ge­schwin­dig­keit von 85 km/h, einer Reich­wei­te von bis zu 70 Kilo­me­ter und einer Lade­zeit von 5 Stun­den ist er ein direk­ter Kon­kur­rent der Loh­ner Lea. Ins­ge­samt setz­te Govecs – der­zeit hat der Münch­ner Her­stel­ler fünf unter­schied­li­che E-Rol­ler im Pro­gramm – 2012 sie­ben Rol­ler in Öster­reich ab. Einen weni­ger als 2011. Den Motor­rad-Gesamt­markt 2012 führt, nur so zum Ver­gleich, Ves­pa mit über 46.000 ver­kauf­ten Ein­hei­ten an.

E-Rol­ler haben es – wie auch die E-Autos – nicht leicht, begehrt zu wer­den. Sie ver­fü­gen über eine gerin­ge Reich­wei­te, brau­chen lan­ge, um gela­den zu wer­den, und es gibt kei­ne aus­ge­bau­te Lad­ein­fra­struk­tur. Der Loh­ner-E-Rol­ler hat über­dies kei­nen Akku, der dazu ange­dacht ist, ent­nom­men zu wer­den. Er wiegt 25 Kilo­gramm. Dafür führt der Rol­ler die kom­plet­te Lade­ein­heit samt Kabel immer mit sich. Zudem bleibt bei einem E-Rol­ler auch noch das Risi­ko der noch nicht ein­schätz­ba­ren Lebens­dau­er der Akkus.

Das kennt auch Andre­as Loh­ner und meint dazu in einem Posting auf derStandard.at: “Aber laut Werks­an­ga­ben haben wir weit mehr Lade­zy­klen, als wir für 20.000 Kilo­me­ter brau­chen.” 20.000 Kilo­me­ter sind die magi­sche Gren­ze, bis zu der sich der E-Loh­ner im Ver­gleich zu einem Ben­zin-Rol­ler rech­net.


Die­ser Arti­kel erschien am 22. April 2013 auf derStandard.at/Motorrad.


Fotos: Gui­do Glu­schitsch