Carbon, Cornetto und Cavalli

Land der Moto­ren – Unter die­sem Mot­to kar­ren seit gerau­mer Zeit Rei­se­ver­an­stal­ter Lieb­ha­ber ita­lie­ni­scher Moto­ren­kunst in die Regi­on Emi­lia-Roma­gna, um Mase­ra­tis, Lam­bor­ghi­nis, Duca­tis und Fer­ra­ris im ange­stamm­ten Revier zu bestau­nen. Wir glus schau­ten mal mit, Gabrie­le berich­tet.

Drei Tage dauert die Reise ins mystische Land der Motoren. Mehr als drei Tage dauerte es, bis ich Guido überzeugt hatte, mitzufahren. Gegenargumente seinerseits wie ‚kenn ich alles schon‘ oder ‚Kaffeefahrt‘ ließ ich nicht gelten. Was kann ich dafür, wenn er als Auto-Journalist schon so ziemlich alles gesehen hat, während ich zuhause darbe. Schließlich saßen wir gemeinsam im 07:10 Uhr Flieger nach Mailand. Der herr glu brav an meiner Seite, mildegestimmt durch die Aussicht auf italienischen Caffè.
Erste Station der dreitägigen Tour durch das Land der Motoren: Maserati.

Die Rei­se ist kom­plett durch­ge­plant. Nach der Ankunft am Flug­ha­fen Mal­pen­sa geht‘s direkt hin­ein nach Mai­land. Zum Dom, für die, die ihn noch nie gese­hen haben – und für alle ande­ren. Nur nicht für uns. Wir nut­zen die Stun­de in Mai­land, um uns bei Cor­net­to con Cre­ma und Caf­fè für das Nach­mit­tags­pro­gramm des ers­ten Tages zu stär­ken. Dem Besuch des Mase­ra­ti-Muse­ums von Umber­to Pani­ni. Er betreibt es auf sei­nem Land­gut „Hom­bre“, in der Umge­bung von Mode­na. „Hom­bre“ ist eine Anleh­nung an sei­ne Zeit als Groß­far­mer in Vene­zue­la, bevor er 1964 von sei­ner Fami­lie zurück nach Ita­li­en beor­dert wird, um ins hei­mi­sche Unter­neh­men ein­zu­stei­gen.

Die Scheune.

Der mitt­ler­wei­le 83-jäh­ri­ge Pani­ni hat sein Geld mit den gleich­na­mi­gen Sam­mel­hef­ten und den ent­spre­chen­den Auf­kle­bern ver­dient. In Ita­li­en kennt ihn jedes Kind. Und er freut sich jeden Tag wie ein klei­nes Kind, wenn er sei­ne Scheu­ne betritt. Ja genau, sei­ne Drei­zack-Rari­tä­ten ste­hen in einer Scheu­ne, oder das, was er halt als Scheu­ne bezeich­net. Schmie­de­ei­ser­nes Ein­gangs­por­tal, Flie­sen­bo­den mit ein­ge­las­se­nem Mase­ra­ti-Logo, Gale­rie … so schaut das aus.

Da wär für jeden Geschmack etwas dabei.

Das nennt man Scheu­nen­fund
Hier rei­hen sich mehr als 20 Mase­ra­tis, aber auch geschätz­te 50 Motor­rä­der anein­an­der. Ein paar Exo­ten wie BMWs oder Nor­tons sind genau­so unter den Zwei­rä­dern auf der Gale­rie, wie ein Lotus oder zwei Stan­guel­li­ni zwi­schen den Mase­ra­tis im Erd­ge­schoß ste­hen.

Hmm, der Lotus dachte wohl, er könnte hier ein Leben inkognito führen.

Die Mase­ra­tis von Umber­to Pani­ni haben übri­gens fast alle auf ein­mal in die Scheu­ne gefun­den. Er hol­te sich näm­lich nicht, wie so manch ande­rer Samm­ler, heu­te ein Stück und mor­gen ein Stück, wie sie halt am Markt zu haben waren, son­dern kauf­te das Gros auf ein­mal.

Der berühmte Birdcage.

Als Mase­ra­ti 1996 sei­ne maro­de Kas­se fül­len woll­te, soll­ten dazu die fir­men­ei­ge­nen Old­ti­mer ver­stei­gert wer­den. Sie wären in der gan­zen Welt ver­streut gewor­den. Das woll­te Signor Pani­ni nicht zulas­sen und kauf­te den Groß­teil der Samm­lung. Dar­um ste­hen in sei­ner Scheu­ne heu­te zum Bei­spiel der wei­ße, ja wei­ße Mase­ra­ti 250F, den Stir­ling Moss pilo­tier­te, oder der berühm­te Brid­ca­ge. Der Vogel­kä­fig war ein Renn­wa­gen, von dem zwi­schen 1959 und 1961 nur 22 Stück gebaut wur­den und der sei­nen Spitz­na­men dem 30 Kilo­gramm schwe­ren Git­ter­rohr­rah­men zu ver­dan­ken hat.

Der weiße Maserati von Stirling Moss.

Der wei­ße 250F ist des­halb etwas Beson­de­res, weil zu der Zeit ita­lie­ni­sche Sport­wa­gen laut FIA nur in rot gehal­ten sein durf­ten, deut­sche in weiß, fran­zö­si­sche in blau und eng­li­sche etwa in grün. Beim 250F von Moss setz­te sich aber ein ita­lie­ni­scher Eis­her­stel­ler durch, der damals erst­mals als Spon­sor fun­gier­te und weiß als Grund­far­be sei­nes Logos hat­te.

Ob's auffällt, wenn ich den Flügel für meinen BMW flader?

Mit Eis hat Herr Pani­ni nicht so viel am Hut auch nicht mehr mit sei­nen Pickerl­hef­ten. Viel­mehr hat er sich der öko­lo­gi­schen Land­wirt­schaft ver­schrie­ben. Gleich neben den sünd­teu­ren Autos ste­hen sei­ne sünd­teu­ren Rin­der, aus deren Milch er Par­me­san her­stellt und ab Hof ver­treibt.

Tag 2 unse­rer Tour durch das Land der Moto­ren führt uns zu Ducati und Lamborghini. Und Tag 3 ver­brin­gen wir in Fer­ra­ri-Land, Maranello.


Fotos: Gui­do Glu­schitsch