Best of Bikes: Ein echter und ein Herzens-Champ

Der Motor­rad­markt lag 2012 halb bewusst­los am Bauch, erkennt man spä­tes­tens, wenn man die Lis­te der Bikes des Jah­res machen will.

Wenn wir die wirklich Aufsehen erregenden Neuheiten am Motorradmarkt des vergangenen Jahres aufzählen wollen, können wir ruhig eine Hand eingesteckt lassen. Hervorgetan haben sich nur Honda und BMW. Das Ausbleiben des Feuerwerks von atemberaubenden Neuvorstellungen ist wohl eine Folge der Wirtschaftskrise. Die Hersteller haben gespart, wo es geht — anscheinend auch in der Entwicklung.

Seit 2009 ver­zeich­net der Motor­rad­markt jedes Jahr erneut ein Minus. Ein Blick auf den Motor­rad-Gesamt­markt von Jän­ner bis Sep­tem­ber 2012 lässt heu­er ein eben­sol­ches von 1,76 Pro­zent erwar­ten. Schaut man sich aber nur die Motor­rä­der über 125 Kubik­zen­ti­me­ter an, dann zieht das Geschäft schon wie­der an: Plus 1,03 Pro­zent.

KTM ist Spitze

In Öster­reich liegt bei den Motor­rä­dern natür­lich KTM mit einem Markt­an­teil von über 18 Pro­zent ganz weit vor­ne und konn­te heu­er um fast 30 Pro­zent zule­gen. Dahin­ter fol­gen BMW (knapp über 13 Pro­zent Markt­an­teil und ein Minus von rund 2 Pro­zent) und Hon­da (Markt­an­teil knapp unter 13 Pro­zent, mit einem Plus von über 6 Pro­zent zum Vor­jahr). Betrach­ten wir den gesam­ten Zwei­rad­markt 2012, also mit Rol­lern, Mopeds und 125ern, dann schaut die Sache schon wie­der anders aus. Da führt die Sta­tis­tik ganz deut­lich Ves­pa an, die heu­er anschei­nend um fast ein Vier­tel zule­gen kön­nen. Danach kommt Hon­da mit einem Plus von fast 20 Pro­zent zum Vor­jahr.

KTM ver­kauf­te ins­ge­samt eben­falls um 25 Pro­zent mehr Motor­rä­der als im Vor­jahr, BMW zieht sich mit dem 600er Rol­ler aus dem Minus und wird ins­ge­samt ein Plus von rund 3 Pro­zent ver­zeich­nen dür­fen. Yama­ha, Suzu­ki und Kawa­sa­ki müs­sen sich, so die Sta­tis­tik der Arge 2Rad (Jän­ner bis Sep­tem­ber 2012), auf ein Minus ein­stel­len. Duca­ti? Wird etwa gleich lie­gen, Har­ley legt zu, wie MV Agus­ta, Tri­umph, Cagi­va und Vic­to­ry.

…and the winner is:

Das ist also der Hin­ter­grund, vor dem wir die Top-Bikes 2012 wäh­len. Doch so schwie­rig die Wahl auf den ers­ten Blick aus­sieht, so ein­fach war es, den Gewin­ner zu fin­den. Da gibt es kein Auf­fla­ckern des Nach­den­kens. Der Gewin­ner ist seit Mona­ten in Stein gemei­ßelt. Auch wenn die BMW F 800 GS dem Sie­ger hart in die Sei­te gefah­ren ist. Denn bei der GS Trophy 2012 in Südamerika hat die klei­ne GS wie­der gezeigt, dass sie här­ter im Neh­men ist als eine Hor­de wild gewor­de­ner Fah­rer. Trotz­dem. Die Gui­des auf der Tro­phy fuh­ren alle eine R 1200 GS. Und das wohl nur aus einem Grund. Weil sie ein­fach die Bes­te ist.

Wenn mich mor­gen jemand zwin­gen wür­de, alle Motor­rä­der her­zu­ge­ben und mein rest­li­ches Leben mit nur einer Rei­ben fris­ten zu müs­sen, ich hät­te über­mor­gen eine 12er GS in der Gara­ge ste­hen. Ja, das ver­wun­dert mich selbst. Habe ich die GS doch gehasst wie kein ande­res Motor­rad. Bis ich sie das ers­te Mal gefah­ren bin. Und des­halb ist es auch ein wenig ein Ehren­preis für die 12er GS, weil sie wird die letz­te luft­ge­kühl­te sein. Nächs­tes Jahr wer­den die mäch­ti­gen Euter von Was­ser umspült. Wie sich die neue GS fährt, ver­ra­te ich dann im Febru­ar.

Keine Rollerwertung

Eine Roll­er­wer­tung erspa­re ich Ihnen jetzt. Denn im Nach­hin­ein betrach­tet, hat der Scoo­ter von BMW den Yama­ha T-Max doch geschla­gen. Da kann kei­ne Ves­pa und kein Sprit­spar­rol­ler von Hon­da mit. Die Ves­pas sind schön. Kei­ne Fra­ge. Haben Stil. Aber fah­ren will ich mit einem Rol­ler, der die Emo­tio­nen wäh­rend der Fahrt in lich­te Höhen treibt. Und nicht wenn ich an der Tank­stel­le ste­he, oder den Rol­ler vom Kaf­fee­haus aus sehe.

Man­geln­de Emo­tio­nen sind auch der Grund, war­um es Hon­da nicht in unse­re Bes­ten­lis­te geschafft hat. Die neu­en 700er Model­le sind sicher fan­tas­tisch, aber doch eher sinn­voll als emo­tio­nal bin­dend.

Und dann wäre da noch

Aber ein Motor­rad hat es uns 2012 noch ange­tan. Eine zicki­ge Schön­heit, teu­er und so gar nicht sport­lich. Sie hat nur fünf Gän­ge und gibt bei 155 km/h auf. Aber sie zau­bert einem jeden ein zufrie­de­nes Lächeln ins Gesicht — wenn sie anspringt. Wegen der Zicken weißt du auch nie, ob du gla­si­ge Augen hast, weil sie grad rennt, oder weil ihr V2 so herr­lich ehr­lich durch die bei­den End­roh­re blub­bert. Die Moto Guz­zi V7 spe­cial.

Wie es Moto Guz­zi geht? Naja, nicht so gut, wenn wir in die Ver­kaufs­sta­tis­tik schau­en. Aber viel­leicht wird das 2013 ja bes­ser. Weil ja nächs­tes Jahr alles bes­ser wird. Die neu­en Model­le, die schon auf der EICMA stan­den, las­sen das jeden­falls erwar­ten. Zum Angrei­fen und Pro­be­sit­zen ste­hen die Motor­rä­der dann von 19. bis 21. April 2013 in Tulln auf der Bike-Aus­tria bereit.

Link

Statistiken der Arge 2Rad


Die­ser Arti­kel erschien am 31. Dezem­ber 2012 auf derStandard.at/Motorrad.


Fotos: Honda (1), KTM (1), BMW (1), Piaggio (1), Moto Guzzi (1)