Die Taune bei der Jochen Rindt-Trophy

Der eiser­ne Pres­s­to-Kern star­tet bei der Jochen Rindt-Tro­phy, im Zuge der Höhen­stra­ßen Clas­sic. Einer ist unmo­ti­viert, einer hat kein altes Auto, und der Drit­te fährt einen Golf GTI.

Pres­s­to, das ist der Nucleus des hei­mi­schen Auto-Jour­na­lis­mus. Tief im Unter­grund haben sich die Ben­zin­ver­seuch­tes­ten zusam­men­ge­tan, um gegen­ein­an­der zu fah­ren, sich unter­ein­an­der zu hel­fen und sich gegen­sei­tig am Gän­gel­band der Kurz­weil zu häkeln. Ihr Chef, wenn man so möch­te, ist Roland Scharf, Redak­teur bei Alles Auto. Und als der Mann gehört hat, dass ich mit mei­nem ros­ti­gen Tau­nus bei der Jochen Rindt-Tro­phy mit­fah­re, hat er sofort genannt – mit sei­nem Golf GTI.

Die Jochen Rindt-Tro­phy ist eine Spe­zi­al­wer­tung der Höhen­stra­ßen Clas­sic, die Peter Urb­a­nek – regel­mä­ßi­ge Leser der Auto­mo­bil-Sei­ten ken­nen ihn ja ohne­dies – ver­an­stal­tet. Bei einem Schloss­gold oder Claustha­ler haben wir uns so neben­bei dar­auf geei­nigt, dass ich star­ten wer­de. Frau glu war Feu­er und Flam­me, als sie davon erfuhr. Konn­te dann aber doch nicht mit­fah­ren. Für sie gibt es nur einen Ersatz: Wolf-Die­ter Grab­ner, Foto­graf, Per­fek­tio­nist und extrem weg­ste­cken­der Bei­fah­rer.

Mir war das Ren­nen ziem­lich wurscht. Ja, ich bin der Unmo­ti­vier­te aus dem Vor­spann. Der Roland und der Phil­ipp Stal­zer, der mit sei­nem viel zu neu­en Por­sche GT3 star­te­te, die hat­ten eh Moti­va­ti­on für drei Teams. Sie rie­fen eine inter­ne Pres­s­to-Wer­tung aus. Ich erklär­te sofort, nicht in die­ser inter­nen Wer­tung mit­zu­fah­ren.

Ihnen ver­ra­te ich nun auch war­um: Ers­tens hat­te ich kei­ne Ahnung, was ich bei dem Ren­nen tun muss, zwei­tens woll­te ich mich dar­um auch nicht küm­mern, und drit­tens weiß ich auch so, dass ich gegen die jun­gen Män­ner, die schon alte Hasen sind, kei­ne Chan­ce habe. Wolf dach­te da anders. Er stu­dier­te das Road­book, rech­ne­te sich die Durch­fahrts­zei­ten für die Zeit­kon­trol­len und Son­der­prü­fun­gen aus. Ich hat­te Angst, ihm platzt der Kopf, so rech­ne­te er vor dem Start, am Bei­fah­rer­sitz des Ros­ti­gen.

Vor­start war im Q19, wo Peter Urb­a­nek eine Podi­ums­dis­kus­si­on orga­ni­sier­te, die vor dem Hin­ter­grund einer Jochen Rindt-Aus­stel­lung pas­sier­te. Ich gebe zu, ich hör­te nicht zu. Ich war dar­um besorgt, dass jemand beim Tau­nus ansto­ßen könn­te und mir die ros­ti­gen Kot­flü­gel vom Rad­kas­ten fal­len.

Vom Vor­start zum Start haben wir uns schon ein ers­tes Mal ver­fah­ren. Die Ent­schei­dung, die Pres­s­to-Wer­tung nicht mit­zu­fah­ren, war also gold­rich­tig. Wolf kann fan­tas­ti­sche Fotos machen, schö­ne und lan­ge Zah­len rech­nen, aber mit dem Lesen hat er es nicht so. Und das soll­te nicht bes­ser wer­den, wenn das Tages­licht weg ist. Denn nicht nur, dass die Jochen Rindt-Tro­phy ein Nach­tren­nen war, hat der Tau­nus schon außen kaum ein Licht. Innen ist es fins­ter wie in einem Seri­en­aus­puff.

Die Etap­pen waren dann gar nicht so schlimm. Wolf war ein bis­serl ner­vös, weil er ja der war, der wuss­te, wann wir so sein muss­ten, und mein Tau­nus ver­mut­lich aus purem Trotz kei­nen 42er-Schnitt fah­ren will. Statt­des­sen hat­ten wir ein Duell mit einem auf­ge­motz­ten Mini, der hin­ter uns star­te­te und sich noch weni­ger um die Wer­tung der Tro­phy küm­mer­te als ich. Mein ein­zi­ges Ziel: Der Klei­ne über­holt mich nicht mehr.

Immer wie­der gab es lan­ge Stand­zei­ten vor den Zeit­kon­trol­len. Was manch ande­re nerv­te, war mir ein Quell der Freu­de. So hat­te ich die Gele­gen­heit, mit den ande­ren zu plau­dern, skur­ri­le Ker­le ken­nen zu ler­nen und in Ruhe mei­nen Niko­t­in­haus­halt aus­zu­glei­chen.

Es waren kurz­wei­li­ge Stun­den. Span­nend war das Ren­nen natür­lich nicht, wenn man sich nicht dar­um küm­mert, aber die Rou­te war außer­ge­wöhn­lich. Peter Urb­a­nek küm­mer­te sich dar­um, dass wir auf Stra­ßen über den Kah­len­berg fah­ren durf­ten, die sonst für Autos nicht offen sind. Auf der ande­ren Sei­te war das auch eine Stra­ße, auf der ein paar der alten Kra­xen näher am Tod als am Sieg waren.

Auch wenn Gleich­mä­ßig­keits­ren­nen so gar nicht mei­ne Sache sind, wie ich her­aus­ge­fun­den habe, wer­de ich wie­der bei His­to-Ren­nen star­ten. Es ist so süß, wie sich die ein­ge­ses­se­nen Fah­rer ärgern, wenn man sie über­holt. Den Roland mag ich sicher wie­der davon über­zeu­gen, mit­zu­fah­ren. Und der Wolf hat es inzwi­schen auch ver­kraf­tet, dass ich mich so wenig um sei­ne Zeit­kom­man­dos geküm­mert habe. Viel­leicht auch des­we­gen, weil wir im End­ef­fekt gar nicht so schlecht abge­schnit­ten haben, wie ich mich pat­schert ange­stellt habe. Immer­hin reich­te es für Platz vier in der Gesamt­wer­tung der Tro­phy. Die Pres­s­to-Wer­tung gewann Roland Scharf vor Phil­ipp Stal­zer – und wir hät­ten sogar mit­mi­schen kön­nen, hät­te ich nicht vor­her schon den Schwanz ein­ge­zo­gen.

Fotos: Wolf-Dieter Grabner

Link: Verein der Autofreunde