Sternfahrt in der Schottergrube

Rich­ti­ges Endu­rolüf­ten dau­ert einen gan­zen Tag, meint Joe Lech­ner
und star­tet gleich eine neue Renn­se­rie. Gabrie­le Glu­schitsch war bei der Strecken­besichtigung.

Ich versteh die Wahl deiner Waffen zwar nicht, aber du wirst schon wissen“, grinst Joe Lechner. Und er hat recht. Ich hätt‘s wissen müssen, dass ich mit der Yamaha einen Stern nach dem andere reiße, wenn ich versuche, auf einer 6,3 Kilometer langen Endurostrecke, die er gemeinsam mit dem Erich Brandauer gebaut hat, an ihm dranzubleiben. Bislang hinterlasse ich ja eher den Reifenabdruck der Trial als den der Enduro, aber beim Motorradfahren bin ich hart im Nehmen, da kann mich so leicht nichts erschüttern – nicht einmal die vorprogrammierte Detonation der Yamaha in der pannonischen Tiefebene.

Magische Felsbrocken

Genau dort näm­lich, in Wim­pas­sing, fin­det das ers­te Mar­ty­ri­um von Joe Lech­ners neu­er Renn­se­rie statt, des Enduro Masters. Einer Renn­se­rie, in der es um Tech­nik, Tak­tik und Aus­dau­er geht. Nicht dar­um, wer sein Radl am Ende des Tages in die meis­ten Ein­zel­tei­le zer­legt oder sich am schnells­ten aus­powert. In sie­ben Ren­nen, die über sechs respek­ti­ve vier Stun­den wie hier im Bur­gen­land gehen, dür­fen ech­te Endu­ris­ten ihre Radl aus­lüf­ten und mit ver­spann­ten Mus­keln, schwe­ren Armen und klop­fen­dem Herz ihre Run­den dre­hen.

Drei Wochen vor dem Ren­nen, ruft der Joe zur Stre­cken­be­sich­ti­gung: „So Mädels und Buben, letz­te Woche habe ich mit dem Bran­di die Run­de geplant. Wir fah­ren sie heu­te  ein­mal ab, und schau­en, wo wir noch was ändern müs­sen bezie­hungs­wei­se ver­bes­sern kön­nen.“ Ich schwing mich auf die Endu­ro – mei­ne ers­te Wahl. Und obwohl ich gefühl­te zwei Stun­den für die Ein­füh­rungs­run­de brau­che, ein Steil­hang mich am aller­letz­ten Meter abwirft, der nächs­te gleich mit­ten im Hang, sich mein Hin­ter­radl im Sand ein­gräbt, die Fels­bro­cken, die da zwi­schen­zeit­lich unge­niert her­um­lie­gen, mein Vor­der­rad magisch in ihre Rich­tung zie­hen und ich zum Schluss wider mei­nes Natu­rells, aber im Ein­klang mit dem Rest mei­ner Ver­nunft gleich ein paar Auf­fahr­ten aus­las­se – die Stre­cke ist geil!

Nach dem cross-las­ti­gen Beginn gibt‘s Sin­gle­trails, Tri­al­pas­sa­gen, Wald­durch­fahr­ten, einen Sand­hü­gel, über den man sich drü­ber­wüh­len muss, losen Schot­ter, der das Moped schlu­cken will, und Ab- und Auf­fahr­ten, die dir den Atem rau­ben vor lau­ter Vor­freu­de – oder mäch­ti­gem Respekt, so wie mir auf der 250er WR. Mit der Tri­al näm­lich ist die Stre­cke selbst für blu­ti­ge Renn-Anfän­ger wie mich kein Pro­blem. Und das zeich­net den Kurs aus. Er hat alles, wo Endu­ris­ten ger­ne drü­ber­fah­ren, aber sie ist nicht so schwer, dass man Angst um Leib und Leben haben muss. Ein­fach die per­fek­te Stre­cke für ein Vier-Stun­den-Ren­nen – das ich übri­gens aus­las­sen werd, denn mit der Wahl mei­ner Waf­fe, wäre der Joe wie­der nicht zufrie­den.