Viel Crossover und bitte nur keine Windstille

der glu am 2. März 2010 · Kein Kommentar

Vor dem Debüt beim Genfer Salon im März präsentiert Nissan in Frankreich den Juke. DER STANDARD war bei der Enthüllung des Crossover dabei.

Meudon, unweit von Paris. Die schweren, roten Eisentüren, die den riesigen Windkanal aus dem Zweiten Weltkrieg verschließen, beginnen sich langsam in der Mitte zu öffnen — und verschwinden nach und nach im Boden. Ein Crossover aus elektronischer Musik und Lichteffekten erfüllt den Raum. Nach wenigen Sekunden sieht man die ersten Umrisse eines neuen Autos: Nissan Juke.

Noch schnell vor dem Genfer Salon wird das Serienmodell des 2009 in Genf vorgestellten Showcars Qazana ausgepackt. Der Juke ist ein B-Segment-Crossover “aus einem SUV und einem Sportwagen”, sagt Pierre Loing, Vize-Präsident Produktplanung bei Nissan Europe.

Mit der Crossover-Idee punktet Nissan schon mit dem Qashqai. Also kann man ja auch sagen, der Juke ist ein Crossover aus Qashqai und dem kleinen Micra? Nissan sieht die Sache sportlicher und meint, wenn denn schon ein weiterer Stammbaum hergeleitet werden müsse, dann sei der Juke ein Crossover aus Auto und Motorrad.

Die Nähe zum Auto muss nicht lange erklärt werden, das Motorrad liegt aber im Detail. So ist etwa der Schalthebel in einen stilisierten Motorrad-Tank eingebettet. Auch die Rundanzeigen sind den Instrumenten eines Naked-Bikes nachempfunden. Designspielereien für die Zielgruppe.

Crossover Europa/Japan
Eigentlich ist der Juke ja ein Crossover aus Europa und Japan, baut er doch auf der gemeinsamen B-Plattform von Renault und Nissan auf – genauso wie der Renault Clio oder der Nissan Micra. Und: Das Grunddesign stammt aus dem Nissan Design Center Europe in London, die Feinarbeit aus dem Designstudio in Japan. Außerdem: Der Juke wird sowohl in Europa gebaut – im englischen Nissan-Werk in Sunderland – als auch in Japan, im Werk Oppama.

Aber so weit denkt Nissan gar nicht, wenn von Crossover die Rede ist. Alfonso Albaisa, Vize-Präsident bei Nissan Design Europe, sieht den Juke viel mehr als Crossover aus 370Z und Cube. Denn da sei zum einen die hohe Gürtellinie, da seien die breiten Schultern und oben drauf sitze doch eindeutig ein Sportler: mit der flachen Windschutzscheibe und den knackigen Heckfenstern.

Mit dem Mix aus SUV und Sportwagen, aus Handling und Fahrkomfort, aus innovativem und einfachem Design möchte Nissan gerade bei jungen Männern, die in der Stadt leben, punkten. 40 Prozent der Juke-Fahrer sollen Nissan-Neukunden sein — sogenannte Eroberungskäufer, auf die in der Top-Variante ein Auto mit 190 aufgeladenen PS, einem Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung an den Hinterrädern und ein stufenloses Automatikgetriebe wartet. Das ausgefallene Design und die Z-ähnlichen Heckleuchten gibt es dazu.

Mit welchem Preis man die Jungs überzeugen möchte, steht noch nicht fest. Aber allzu überzogen dürften die Vorstellungen nicht sein, wenn man den Fokus auf die Zielgruppe gelegt hat, die zu Crossover leicht einmal sagt: “Die Sehnsucht ist groß, oba am Konto ist Windstille.”

Foto: Nissan

Der Artikel erschien am 12.2.2010 in der Tageszeitung “der Standard” und auf derStandard.at/Automobil.

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