Race Across the Müllberg

der glu am 7. März 2010 · 2 Kommentare

Mitte März wird der Gerasdorfer Müllberg zur Rennstrecke. Die Wiener Cross-Country-Racer feiern den Saisonauftakt.

Martin Ganglberger meint, dass er nichts dafür könne: „Sie haben es selbst so gewollt. Kein Kurs war ihnen zu verwinkelt, kein Wind zu kalt, kein Boden zu feucht, kein Hang zu steil.“ Die Teilnehmer des Duke, des traditionsreichen und wilden Cross-Country- und Wiener Saisoneröffnungs-Radrennens, kennen keinen Schrecken. Egal welche Strapazen die 2RadChaoten auch ersannen – jedes Jahr aufs Neue wollten die Teilnehmer einen Duke – noch ärger als im Jahr zuvor.

Der Duke of Trash, der achte Duke bis jetzt, soll nun aber endgültig das letzte Rennen der Serie sein, wünscht sich Ganglberger: „Wir hoffen auf extrem negatives Feedback, dass wir eine gute Ausrede für 2011 haben und keinen Duke mehr organisieren müssen.“ Um das zu schaffen, hetzt Ganglberger die Radsportler heuer über einen Berg aus Müll.

„Der KUOTA Duke of Trash steigt am 20. März auf der ehemaligen Deponie Eisenbahndreieck der Magistratsabteilung für Abfallwirtschaft in Gerasdorf bei Wien“, erzählt Ganglberger. Und die MA 48 ist auch gleich Sponsor der Veranstaltung. „Unter dem Renngelände lagern 3,6 Millionen Kubikmeter Bauschutt, gefährliche Abfälle, Haus- und Industriemüll.“ Das ist mehr Müll, als man in 60.000 Sportbecken füllen könnte – wenn man das wollte. „Wegen der giftigen Dämpfe, die aus dem Berg kommen können, herrscht auf der ganzen Strecke absolutes Rauchverbot.“ Wobei das Rauchverbot die Sportler vermutlich weniger stören wird.

„Die Abfahrten sind so extrem rutschig, die Auffahrten so höllisch steil, dass wir selbst bergauf schieben mussten und bergab nur mehr geflogen sind. Dabei ist Stürzen so ungut, weil man sich sicher sein kann, dass da zentnerweise Hundekacke herumliegt.“ Doch dann fasst sich Ganglberger für einen kurzen Moment und findet den Ort doch recht idyllisch: „Der Müll ist mit Erde bedeckt und dicht bewachsen, sieht aus, wie ein kleiner Bisamberg. Und der Landeplatz für den Notarzthubschrauber ist auch gleich ums Eck.“

Die 2RadChaoten sind bekannt für ihre mitunter extrem seltsamen Radsport-Veranstaltungen. Letztes Jahr inszenierte Ganglberger ein Rad-Rennen am Pannonia-Ring, bei dem jeder Sportler vor dem Start Gummibären schlucken musste, um das Dopingproblem im Radsport zu thematisieren. Die Rennen Duke of Lake und Duke im Park waren kaum weniger skurrile Saison-Auftaktrennen.

Beim heurigen Duke of Trash werden vier Querfeldein und ein Cross-Country-Rennen gefahren – jeweils in den Klassen Mini, Fun, Softegg und Hero. Nennschluss ist zwei Tage vor dem Rennen, und die Startgebühren betragen je nach Rennklasse zwischen drei und 15 Euro. Maximal 300 Starter werden zum Rennen zugelassen – und die 300 werden wohl auch kommen. Während in der Hero-Klasse nur Pokale an die Sieger vergeben werden, winkt den beiden Letztgereihten der Softegg-Klasse ein besonderer Preis: „Die beiden erhalten einen professionellen medizinischen Leistungstest mit individuellen Trainingsvorgaben.“ Ob der was bringt, wird man dann beim Saison-Auftaktrennen 2011 sehen, wenn wieder zum sicher letzten Mal ein Duke gestartet wird.

Foto: Erwin Haiden

Dieser Artikel erschien auf derStandard.at.

Kommentare

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Andreas Habicher 27. April 10 um 21:01

Das mit dem negativen Feedback wird natürlich schwierig bei so einer spektakulären Kulisse. Mehr Glück beim nächsten Mal. Aber wo dieses…?

Guido Gluschitsch 27. April 10 um 21:05

Die Südost-Tangente wäre vielleicht was für den Duke, wenn es ordentlich viele Baustellen gibt.

glu

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